Nachdem die Feiertage überstanden waren, der Rutsch ins neue Jahr 2026 geglückt ist und mein neues "Abenteuer-Mobil" repariert aus der Werkstatt abgeholt habe (hatte im November einen leichten Zusammenstoss, der die Plastikfront des Mercedes Sprinter beschädigte), fuhr ich am späteren Nachmittag richtung Chiricahua National monument von Tucson los, füllte jedoch vorher den Kühlschrank und den Dieseltank noch auf.
Nach zweistündiger Fahrt kam ich in der Dunkelheit an meinem Übernachtungsplatz am Eingang des Chiricahua Parks an.
Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass nebenan ein Wohnmobil mit Schweizer Nummer stand: Gerry und Luzia aus Unterägeri, bei denen ich mich kurz vorstellte und die die gleiche Reiserichtung wie ich unter die Räder nahmen, d.h. richtung Osten.
Der Tag im Chiricahua natl. Mon. startete bewölkt und erwartungsgemäss setzte auch bald der Regen ein, der den ganzen Tag und die darauffolgende Nacht anhielt. Nichtsdestotrotz machte ich doch noch eine kurze Wanderung (ca. 10km) im Park mit meinem aufgespannten Regenschirm.
Am Nachmittag beschloss ich doch noch weiterzufahren bis zu einem mir schon bekannten Aussichtspunkt, wo ich übernachten wollte: der Emory Pass im Gila National Forest in New Mexico.
Die ganze Strecke regnete es und als ich dem Pass näherkam, ging der Regen in Schnee über. Bald war auch die Fahrbahn schneebedeckt und die Dunkelheit hatte mich bereits wieder eingeholt: einen ersten Test für mein allradgetriebenes Gefährt: bestanden!
Schliesslich kam ich gegen 19Uhr bei Schneesturm an meinem Ziel auf einer Höhe von ca. 2600m an.
Mit meiner Heizung und genügend Bettdecken machte ich es mir gemütlich für die Nacht. An Schlafen war jedoch nicht zu denken, da der Wind heftig an den Fahrzeugwänden rüttelte: respekteinflössende Sturmböen!
Gegen den Morgenstunden beruhigte sich der Wind und der Schneefall liess nach; meine Umgebung war tiefwinterlich verschneit!
Die Fahrt vom Pass hinunter gestaltete sich problemlos nach nur kurzer schneebedeckter Fahrbahn: die Schneepflugfahrzeuge waren bereits im Einsatz und die Temperaturen stiegen rasant an, je tiefer ich gelangte. Auch die Sonne kam endlich zum Vorschein und mein Gemüt erhellte sich auch zusehends.
Nach zweistündiger Fahrt erreichte ich Las Cruces, wo ich mich noch ins Planet Fitness (Gym) mühte trotz Schlafmangel und Lustlosigkeit!
Auch in Las Cruces füllte ich eine meiner zwei Gasflaschen nach und ergänzte im Walmart meinen Proviantvorrat.
Noch vor Dunkelheit erreichte ich den Aguirre Creek Campground am Fusse der Organ Mountains: ein reizvoll gelegener kleiner öffentlicher Campground mit atemberaubender Sicht richtung Osten.
Nach einem ausgedehnten Schlaf in stiller Umgebung erwachte ich bei wolkenlosem Himmel, aber knapp über den Gefrierpunkt.
Nach dem Frühstück (wiedermal mein Lieblingsfrühstücksgericht angerichtet: "huevos a la mexicana") machte ich mich auf eine kurze Wanderung zum Baylor Pass auf. Von dort wollte ich weiter auf den Baylor Peak steigen, aber der bissige Wind machte mir einen Strich durch die Rechnung: ich entschied mich auf dem Pass umzukehren. Trotzdem eine schöne Wanderung mit atemberaubenden Ausblick nach Westen und Osten.
Am Nachmittag bildeten sich wieder Wolken und zu meiner Überraschung fing es leicht an zu schneien...bei Sonnenschein!














Am 10ten erwachte ich im Aguirre Creek Campground bei wolkenlosen Himmel, aber sehr kalt: die Frontscheibe des Fahrzeugs war von innen gefroren!
Mein geplantes Tagesziel war der White Sands Nationalpark. Nachdem ich jedoch den Motor startete, erblickte ich mit Schrecken eine Warnmeldung am Armaturenbrett: Kühlmittel unbedingt nachfüllen! Gleich ging mir durch den Kopf, dass die Reparaturwerkstatt in Tucson mein Kühlsystem beschädigte, sodass ich nun eine Kühlmittelleckage hatte...
Um es vorwegzunehmen, waren meine Sorgen umsonst: die tiefen Temperaturen kontrahierten die Flüssigkeit in dermassen, dass der Füllsensor im Ausgleichsgefäss ansprach, was ich erst bemerkte, als der Motor seine Betriebstemperatur erreichte; dann verschwand die Warnmeldung.
Trotzdem machte ich mich auf den Weg zur nächsten Mercedes Garage, um das spezielle Kühlmittel, welches sonst schwer zu bekommen ist, zu kaufen. Dies bedeutete einen grossen Umweg von ca. 100Meilen und brachte meine Pläne dureinander.
Schlussendlich reichte es doch noch den White Sands NP zu besuchen, ins Fitness zu gehen, Wäschewaschen und gegen Abend einen schönen Übernachtungsplatz hoch über dem Städtchen Alamogordo mit Sicht hinüber zu den White Sands zu finden.
Am darauffolgenden Tag ging ich noch schnell zum Walmart in Alamogordo einkaufen und fuhr weiter richtung Norden, nicht ohne noch einen Zwischenstopp 5 Meilen danach bei einer Pistazien-Farm zu machen; wollte unbedingt ausprobieren, ob ihr hausgemachtes Pistazieneis auch wirklich das war, was es versprach. Und ich wurde nicht enttäuscht, weder von der Qualität noch von der Menge!
Die Zeit verging dann so schnell, dass es mir gerade noch reichte, meinen nächsten Übernachtungsplatz am Rande der White Mountains bei Ruidoso, noch bei Tageslicht zu erreichen. Wiederum ein idyllisches Plätzchen in der freien Natur, vollkommen alleine!
Am nächsten Morgen ging die Reise weiter gegen Osten, ins Flachland. Dabei lag das kleine Dörfchen Lincoln auf dem Weg, welches eine gewisse Berühmtheit im 19. Jahrhundert erlangte, da Billy the Kid dort sein Unwesen trieb.
Beim nächsten grösseren Ort Roswell machte ich nur einen Halt, um Planet Fitness einen Besuch abzustatten.
Auf der Fahrt danach richtung Süden erstreckte sich das Flachland ins Endlose. Dabei hat in diesem Gebiet die Erdölindustrie das Sagen: unzählige Ölbohrungen und in Artesia, zwischen Roswell und Carlsbad eine grosse Raffinerie, bestimmten das Landschaftsbild.
Auch Carlsbad hat offensichtlich seine Daseinsberechtigung dem Öl zu verdanken.
20 Meilen südlich von Carlsbad fand ich trotzdem wieder ein atraktiver Übernachtungsplatz, obwohl es schon etliche Wildcampierer verstreut in der Gegend hatte, zu dem ich jedoch nicht gelangt wäre, wenn ich keinen Vierradantrieb zur Verfügung gehabt hätte.
Am nächsten Tag waren die Carlbad Caverns auf dem Programm: eine der grössten Grotten im Nordamerikanischen Kontinent. Aber ich nutzte noch die letzte Gelegenheit in Calrsbad ins Planet Fitness zu gehen, da es weiter südlich voraussichtlich keine Ableger mehr auf dem Weg geben wird.
Ich gelangte zu den Caverns gerade rechtzeitig, da der letzte Einlass in die Grotte bis um 14:30 erlaubt war.
Dabei erreicht man die Grotte mit einem Lift, der die Besucher 750 Fuss in die Tiefe transportiert; danach erfuhr ich jedoch, dass es auch einen Fussweg zum Eingang der Höhle gibt.
Der Rundgang durch die Grotte war von bizarrer Schönheit: auch wenn ich kein Freund von Höhlen bin, so muss ich doch zugeben, dass die Natur hier eine spezielle und interessante Kunst hervorbrachte.
Auf dem Parkplatz traf ich dann wieder Luzia und Geri aus Unterägeri an; zusammen fuhren wir dann zum in der Nähe gelegenen Campingplatz.
Am nächsten Tag hatte ich die Besteigung des Guadalupe Peak, im gleichnamigen Nationalpark in Texas, beabsichtigt.
Nach einer halbstündigen Fahrt erreichte ich den Wanderweganfang und machte mich sofort auf die Beine.
Mit einem regelmässigen Rithmus erreichte ich schliesslich den Gipfel in 1:45 Stunden. Wobei die 7km lange Steigung mit der Überwindung von 910 Höhenmeter doch von mir etwas abverlangte. Die tolle Aussicht von ganz oben liess die Strapazen dann vergessen.
Als ich wieder unten ankam, bemerkte ich eine Tafel, die den Wanderer warnte, den Weg nicht zu unterschätzen, da man mit ca. 6 - 8 Stunden rechnen musste und dementsprechend genügend Wasser mittragen sollte. Da war ich erstaunt, dass ich "nur" 3:15 Stunden für den gesamten Weg brauchte, inkl. Gipfelrast und ich "nur" einen halben Liter trank.
noch am Nachmittag machte ich mich dann auf die ca. 120 Meilen lange Fahrt zum Balmorhea State Park, wo ich noch vor der Dunkelheit wieder Luzia und Geri im Campingplatz antraf.





















In der Nacht auf den 15. ist wieder das Gas in einer meiner zwei Gasflaschen ausgegangen; Gas ist unentbehrlich in meinem Camper, um ein wohliges, warmes Innenklima zu erzeugen und mein Duschwasser zu erwärmen.
Da das Wetter im Balmorhea Park sehr mild war, trotz kühlen Nächten, und ich noch eine volle Gasflasche an Bord hatte, war die morgendliche Innenraumwärme wieder schnell hergestellt.
Nach dem Frühstück schaute ich mir noch schnell den Park an, der aus einem halb natürlich, halb von Menschenhand hergestellten Pool bestand, wo man das aus der Tiefe fliessende, 23°C warme Wasser zum baden staute. Die Morgentemperaturen waren für mich jedoch eher zu kühl, um doch noch ein Bad zu nehmen...!
Von Balmorhea fuhr ich ins ca. 30 Meilen entfernte Fort Davis, wo ich mich nochmals im kleinen, lokalen Supermarkt mit Lebensmittel eindeckte.
Der Plan war den höchsten Punkt der Davis Mountains, den Baldy Peak (8323Fuss), zu besteigen. Leider liegt dieser und die meisten Berge in diesem Gebiet auf privaten Grundstück, sodass der öffentliche Zugang leider nicht erlaubt war.
Trotzdem verbrachte ich eine ruhige Nacht an einer Picknick-Stelle am Strassenrand. Da ich auf einer Höhe von über 6000Fuss übernachtete, war die Nacht bitterkalt, sodass meine Frontscheibe von innen gefror.
Am darauffolgenden Tag machte ich eine Ausflug nochmals nach Fort Davis, wobei ich den langen, verkehrsarmen Weg rund um die Davis Mountains wählte, der sich als landschaftlich sehr reizvoll entpuppte. In Fort Davis stattete ich einen Besuch ins Oberland Trail Museum ab.
Dort verbrachte ich eine Weile beim Quatschen mit den Museumsbetreiber und beäugte den ausgestellten alten Kram aus der ca. 150jährigen Geschichte des Ortes.
Danach fuhr ich ins 30 Meilen entfernte Alpine, wo ich im Visitor Center vom zuständigen Herren die Ohren vollgeplappert bekam. Dennoch waren seine Ausführungen und seine Erlebnisse während seiner Aktivzeit in der US-Airforce sehr interessant und aufschlussreich...und sehr kritisch! Konnte ihm jedoch, durch die Fülle der Informationen, nicht immer folgen...!
Danach blieb mir nur noch Zeit, um mir im lokalen McDonalds einen Hamburger zu gönnen.
Alpine ist eine Universitäts-"Stadt" mit etwas über 6000 Einwohner, aber eher mit Dorfcharakter.
Aus fehlenden Initiativen entschied ich mich, wieder am gleichen Ort zu übernachten wie am Vorabend: also 50 Meilen wieder zurück! Dort kam ich bereits bei Dunkelheit wieder an.
Nach wiederum sehr kalter Nacht fuhr ich zum 20 Meilen entfernten Davis Mountains State Park, um einen der längeren Wanderwege abzulaufen. Immerhin waren es über 18km mit attraktiven Ausblicken und wilder westtexanischer Berglandschaft.
Danach ging es weiter nochmals nach Alpine, wo ich mir eine bizarre Sehenswürdigkeit, einen Schreibtisch und einen Fahrradbaum an einem Ortshügel, anschauen wollte, die ich jedoch schliesslich nicht auffinden konnte...
Gegen Abend fuhr ich dann über Marfa nach Presidio, an der Mexikanischen Grenze, wo ich in der Dämmerung in einem erhöht über den Ort liegenden Campingplatz ankam. 10 Minuten später trafen dann nicht ganz überraschend Geri und Luzia mit ihrem MAN-Lastwagen ein.
Am nächsten Tag verabredeten wir uns mit unseren Fahrräder hinüber, über den Rio Grande, das mexikanische Städtchen Ojinaga zu besichtigen.
Der Grenzübergang nach Mexico verlief völlig unproblematisch: nicht einmal unser Pässe wurden angeschaut!
Da es Sonntag war, präsentierte sich das Städtchen sehr verschlafen. Dennoch entdeckten wir ein Café, wo wir einen Espresso und uns einen Kuchen gönnten. Danach fuhren wir mit den Fahrräder ziellos im Ort herum bis uns langsam der Hunger zum Aufsuchen einer Essgelegenheit bewog. Dies fanden wir in einem grösseren Restaurant, wo wir selbstverständlich echt Mexikansiche Spezialitäten ausprobieren wollten.
Das Essen hat uns nicht gerade umgehauen (auch nicht im Sinne der "Rache des Moctezumas"), war aber ganz ok.
Zurück über die Grenze in die USA ging es dann doch nicht so unbürokratisch her und zu wie auf dem Hinweg: da ich vor eineinhalb Jahren meinen Aufenthalt (unbewusst) um 20 Tagen überzog und als Folge mir das US-Visum entzogen wurde, war ich in der Immigration-Datenbank schon als "schwarzes Schaf" aufgeführt. Dennoch liessen sie mich ohne Belehren nach ca. 45 Minuten Abklärungen einreisen.
Die darauffolgende Nacht verbrachten wir dann wieder in einem anderen Campinplatz ca. 5 Meilen ausserhalb des Ortes Presidio.
Am nächsten Tag fuhren wir entlang des Rio Grandes, oder Rio Bravo, wie er in Mexiko heisst, auf einer Strecke, die sich wie eine Berg- und Talfahrt im Unterhaltungspark anfühlte: die Strasse stieg immerwieder kurz fast 15% an, um dann wieder 15% in die Tiefe zu stürzen. Der Adrenalinspiegel machte ungefähr die gleiche Bewegung mit...!;-)
Der Rio Grande (übersetzt: der grosse Fluss) ist jedoch ein kleines, langsam fliessendes Gewässer, welches von der Farbe (milchig grünlich) eher sich einem Abwasserkanal ähnelte; ich kannte den Rio Grande aus seinen Ursprüngen in Colorado und war mir als einen mittelgrossen Fluss mit glasklaren Wasser in Erinnerung. Die Wasserentnahme für Bewässerung und Haushalte lassen ihn auf den Weg zur Mexikanischen Grenze fast gänzlich schrumpfen. Dennoch lassen sich die Schluchten, die er auf seinem Weg in Jahrmillionen ausgrub, respektvoll bestaunen.
Das Tagesziel war der Big Bend Nationalpark, wo wir am späten Nachmittag ankamen, nachdem wir uns die ehemalige Quecksilberbergwerk-Siedlung Terlingua besuchten. Ein Ort bekannt für Sternengucker und Aussteiger.
Da es schwierig wurde noch einen Übernachtungsplatz in einem Campingplatz im Park zu ergattern (alle Plätze waren vorreserviert) und das Wildcampieren im Park untersagt ist, gingen wir verschiedene Wege auf der Suche für den Nachtplatz.
Ich legte nochmals 30 Meilen zu einem Nationalparkcampingplatz zurück, wo ich noch bei tiefster Dunkelheit einen freien Platz fand.
Am nächsten Morgen fuhr ich die 35 Meilen zurück zu den Wanderwegen im Berggebiet des Parks, wo ich den höchsten Gipfel, den Emory Peak auf über 7800 Fuss besteigen wollte.
Die Rundwanderung, die ich aussuchte, war sehr attraktiv, aber auch herausfordernd. Insbesondere die letzten 20 Meter auf den Gipfel bedingten eine einfache Kletterei, bei der ich beim Abstieg doch ein bisschen weiche Knie bekam...!
Dafür wurde ich mit einem atemberaubenden 360° Rundblick belohnt. Auch die über 21km lange Wanderung war nicht nur ein naturnaher Genuss, sondern auch eine sportliche Leistung.
Noch knapp vor dem Schliessen des Visitor Centers um 16:00Uhr ging ich kein Risiko mehr ein und buchte mir einen primitiven Campingplatz im Niemandsland...im Park.
Da ich noch mit 2 1/2 Stunden Tageslicht rechnen konnte, fuhr ich die 30 Meilen hinunter zum Santa Elena Canyon, wo der Rio Grande einen eindrücklichen Durchstich durch die Sierra bildet. Dort traf ich dann wieder Luzia und Geri, die noch einen Platz im nahegelegenen Cottonwood Campground ergattern konnten.
Bei Dunkelheit kam ich dann, nach nochmaliger 30 Meilen Fahrt, an meinem reservierten Campingplatz an. Ich genoss die Nacht in Abgeschiedenheit und absoluter Ruhe mitten in der Nationalpark Wüste.
Nach einem gemütlichen Morgen machte ich mich erst gegen 12Uhr auf meine nächste Tagesetappe. Zuerst musste ich noch meinen Dieseltank nachfüllen und war positiv überrascht, als ich an der einzigen Zapfsäule im Park den billigsten Diesel im Umkreis von mehreren hundert Meilen bekam ($3.55 pro Gallone).
Die relativ lange Fahrt bis zum Seminole Canyon erfolgte ereignislos und die Landschaft hatte auch nicht viel zu bieten, ausser dass es eine bemerkenswerte Weite und Menschenleere aufwies.
Um 17Uhr kam ich im Seminole State Park an, wo ich sogleich im parkeigenen Campingplatz reichlich Platz zum auswählen fand.









































Am Morgen vom 22. Januar erwachte ich wieder bei wolkenlosen Himmel und frischen, aber nicht kalten, Temperaturen. Ich merkte schon, dass das Klima näher beim Golf von Mexiko eher milder wurde. Nichtsdestotrotz sagte der Wetterdienst einen Jahrhundert Wintersturm für die nächsten Tage voraus. Voraussichtlich liegt mein nächstes Ziel, das 40 Meilen entfernte Del Rio am Rio Grande, gerade an der Grenze zwischen den vorhergesagten kalten und den warmen Luftmassen von Süden, was sich dann in den nächsten Tagen zeigen sollte, ob mich die eisige Kälte erwischt, oder ich mit den milden Temperaturen vorlieb nehmen kann...
Bevor ich nach Del Rio losfuhr, machte ich noch einen kurzen Spaziergang entlang des Seminole Canyons, in welchem jahrtausendalte Wandmalereien gefunden wurden. Der Canyon selbst ist nicht so beeindruckend, lieferte jedoch den Ureinwohner Schutz unter den überhängenden Wänden, wo sie sich schliesslich künstlerisch betätigten.
Eine kleine Ausstellung im Visitor Center gab dann Aufschluss über die Geschichte des Fundortes.
Die 40 Meilen nach Del Rio, eine Ortschaft an der Mexikanischen Grenze von ca. 35'000 Einwohner, wiesen fast keinen Verkehr auf. Nachdem ich wieder die Gelegenheit nutzte, ins mir wohlbekannte Planet Fitness zu gehen, traf ich Luzia und Geri danach im Parkplatz von Walmart, wo wir dann auch die Nacht verbrachten. Es gab sogar ausgewiesene Parkplätze für Wohnmobile und Lastwagen, was ich bisher noch in keinem Walmart gesehen hatte.
Am nächsten Tag machten wir wieder einen gemeinsamen Ausflug mit den Fahrräder über die Grenze zur Mexikanischen Stadt Ciudad Acuña. Wiederum war es ein Grenzort, der nichts Besonderes bot, ausser Mexikanische Spezialitäten, die wir in einem uns empfohlenen Restaurant genossen.
Die darauffolgende Nacht verbrachten wir gemeinsam wieder zurück in den USA in einem wenig besuchten campground in der Amistad Recreation Area bei Del Rio, wo wir dann den ersten Kaltlufteinbruch erlebten: über Nacht fielen dann die Temperaturen um ca. 20 Grad!
Nach einem Kaffee im nahegelegenen Café del Sol trennten sich unsere Wege: Luzia und Geri fuhren weiter Richtung Norden und ich beschloss noch eine Nacht am gleichen Ort zu verbringen um den vorausgesagten Niederschlag abzuwettern. Und der kam in der Nacht in Form von Eisregen, sodass die Landschaft sich mit einem weissen Kleid am nächsten Morgen zeigte, welches sich jedoch um eine harte Eisschicht handelte. Die Temperatur erreichte nochmals einen Tiefpunkt: -4°C!
Am Sonntag den 25. packte ich nochmals die Gelegenheit ins Gym zu gehen und machte einen kurzen Ausflug zum Amistad-Stausee, der einen niedrigen Wasserstand, so wie die meisten Stauseen im Südwesten der USA, aufwies.
Am nächsten morgen machte ich mich auf die über 110 Meilen lange Fahrt zum Garner State Park, nicht bevor ich noch eine wieder verbrauchte Gasflasche (für die Heizung) auffüllen lies.
Der Garner State Park befindet sich westlich der Grossstadt San Antonio, im Hills Country: eine fast bergige Gegend mit viel Juniper-Wald und trockenen Weiden, die eine gewisse liebliche Schönheit aufweist.
Da in Texas fast das ganze Land in Privatbesitz ist, sind diese doch sehr kleinen State Parks die einzige Möglichkeit für die Texanische Stadtbevölkerung, die Natur mit campieren und wandern zu geniessen. So bietet der Garner State Park hunderte von Campingplätze an, die jedoch in dieser kalten Jahreszeit fast verlassen wirken. Für mich jedoch war es recht so, denn dann war absolute Stille in der Nacht und die Toiletten hatte ich für mich alleine!
Erst am nächsten Morgen bezahlte ich meine Übernachtung ($15 fürs campieren und $8 Einzeleintritt) und erkundete einige der kurzen Wanderwege.
Anschliessend fuhr ich weiter nach Bandera, ein Ort bekannt für seine Cowboy-Kultur und dementsprechend turistisch, wo ich jedoch nur anhielt, um zu tanken. Cowboys sah ich jedoch keine, doch Läden mit Cowboy-Ramschartikel gab es zur Genüge!
Von Bandera fuhr ich noch die 50 Meilen nach San Antonio, um im Zentrum in einem Musikladen neue Klarinettenplättchen zu kaufen; habe auf dieser Reise meine Klarinette mitgenommen, welche mir an den Abenden gute Begleitung bietet.
Obwohl es bereits Nachmittag war, beschloss ich noch die 130 Meilen von San Antonio zum nördlich gelegenen Menard zu fahren, ein kleines Dorf im Niemandsland inmitten von Texas.
Schon fast bei Dunkelheit erreichte ich den vorher eruierten campground an einem kleinen Fluss und verbrachte eine friedliche Nacht.
Am Morgen sah ich, dass der campground gut besetzt war mit sehr wahrscheinlich vielen Amis, die in ihren Wohnwagen ihr Zuhause haben.
Die einstündige Fahrt nach San Angelo verlief stressfrei und die Landschaft wurde immer flacher. Auch das Landschaftsbild veränderte sich von Bewaldung zu Busch und schliesslich Ackerland, hauptsächlich Baumwollplantagen.
In San Angelo, ein Städtchen mit einer Bevölkerung von ca. 100'000, besuchte ich das Fort Concho National Historic Landmark, eine militärische Anlage aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert, welche zum Schutz der damaligen Siedler erbaut wurde. Insbesondere die Apachen und danach die Comanchen waren eine Bedrohung für die neuankommenden Siedler (oder war es eher umgekehrt...!?).
Nach einem Intermezzo im Gym machte ich mich auf die Suche nach einem ruhigen Übernachtungsplatz, den ich nur gerade 9km ausserhalb von San Angelo, im gleichnamigen State Park an einem Stausee fand. Wiederum war der campground fast menschenleer.

















Noch bevor ich meine Weiterfahrt von San Angelo antrat, füllte ich nochmals meinen Dieseltank. Die Reise ging weiter nach Norden zu einem anderen State Park: der Caprock Canyon State Park.
Was ich anfänglich nicht wusste und ich dann sehr überrascht war, nicht nur so viele Ölbohrungen bzw. -pumpen zu sehen, sondern auch tausende von Windmühlen zur Stromerzeugung, befand ich mich im erdölreichste Gebiet der ganzen USA, das Permian Basin, von wo ca. 40% der gesamten Ölproduktion des Landes stammt!
Die flache Landschaft bestand demnach ausschliesslich aus Ölborungen, Windmühlen und fast flächendeckend mit Baumwollplantagen.
So ging es dann, Google maps folgend, über verkehrsarme Landstrassen, die eigentlich nur die weitverstreuten Farmen verbinden, Richtung Caprock Canyon. Aber wo sollte denn in dieser flachen Ebene ein Canyon sein, fragte ich mich...?
Als ca. 7 Meilen vor dem Ziel ich mich am Rande der Ebene wähnte und es plötzlich bergab ging: offensichtlich erreichte ich die geologische Grenze zwischen der Westtexanischen Hochebene und der Osttexanische Tiefebene, wobei der Höhenunterschied doch nicht mehr als 100m betrug, aber die Trennung die Form von canyonartigen Felswände Gestalt aufwies.
Da der Visitor Center just an diesem Tag geschlossen war, fuhr ich direkt zum campground und suchte mir einen netten Platz zum übernachten aus.
Die Landschaft war so anders als die, die ich in den letzten Tagen befahren hatte: ein relativ kleiner Canyon, wenn man ihn mit der Dimension des Garand Canyons in Arizona vergleicht, aber doch sehr attraktiv mit roter Erde und vorallem mit einer vielfältigen Tierwelt. Vorallem bekannt ist der Park für seine wildlebenden Bisons, die eigentlich sich nur im Gehege des Parks frei bewegen können: die Zufahrt zum Park ist mit einer automatischen Schranke versehen, die sich beim Näherkommen mit dem Auto öffnet und gleich danach wieder schliesst, um die Bisons vom Ausbrechen abzuhalten.
Der Park gefiel mir so gut und die Wandermöglichkeiten waren so interessant, dass ich mich gerne Zeit genommen hätte ein paar Tage hier zu verweilen, wenn nicht mein Kühlschrank mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte: ich hatte einfach zu wenig Essen dabei. So fuhr ich am nächsten Tag weiter zum Palo Duro Canyon State Park, nochmals 70 Meilen weiter nördlich, zu dem ich eigentlich ursprünglich direkt hinfahren wollte.
Nachdem ich wieder meine Essensvorräte im Walmart in Plainview auffüllte, erreichte ich den Palo Duro Canyon noch knapp in der Dämmerung.
Der Palo Duro Canyon, ca. 20 Meilen südöstlich von der Stadt Amarillo/TX, liegt auf der gleichen Grenzlinie wie der Caprock Canyon, jedoch war ich überrascht, dass er doch eine Nummer grösser und impossanter war: das fühlte sich bereits wie einen echten Canyon an!
Schnell fand ich einen Übernachtungsplatz, denn die verschiedenen campgrounds im Park waren fast leer, wegen der doch eher kalten Witterung.
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, machte ich mich auf die 8 Meilen lange Fahrt zurück zum Parkeingang, um die Eintritts- und die Übernachtungsgebühr zu bezahlen; ich entschied mich 2 Nächte zu bleiben, was mich $68 kostete.
Noch am gleichen Tag machte ich zwei verschiedene Wanderungen, die sehr viel Spass machten. Vorallem der Weg hinauf auf einen Aussichtspunkt war nicht nur sportlich herausfordernd, sondern bot auch einen weiten Blick über das gesamte Gebiet.
Am nächsten Morgen machte ich noch einen kurzen Ausflug mit dem Fahrrad zu einer Gesteinsformation, die "Leuchtturm" genannt wurde, bevor ich dann weiter, mit einem Abstecher in Amarillo zum Gym, zurück zum Caprock Canyon fuhr.
Wieder kam ich knapp vor der Dunkelheit an, aber war erfreut, wieder meinen alten Platz leer vorzufinden.
Mittlerweile stiegen die Temperaturen auf fast frühlingshafte Werte, sodass ich sogar in der Nacht meine Raumheizung ruhen lassen konnte.
Am darauffolgenden Tag unternahm ich eine ca. 10km lange Rundwanderung, die durch die schönen, wilden Schluchten des Canyons führte. Dabei traf ich keine einzige Menschenseele auf dem Weg, ausser auf den letzten Meter einen Wanderer mit grossen Rucksack, der im Begriff war, seine dreitägige Wanderung durch den Park abzuschliessen. Er sei sich am Vorbereiten für den Appalachian Trail, den er sehr wahrscheinlich erst nächstes Jahr bewältigen möchte, da er gerade an beiden Knien operiert wurde, so liess er es mich wissen.
Am Abend nahm ich es gemütlich und gönnte mir rohes Gemüse und eine heisse Crevetten-Maiscremesuppe, als ich plötzlich Geräusche unter dem Camper hörte. Da es schon dunkel war, nahm ich eine Taschenlampe und machte einen Überraschungssprung aus dem Wohnmobil. Ich traf zwei mich verdutzt anschauende Waschbären, die offenbar an etwas unter meinem Gefährt gefallen gefunden hatten...! Verblüfft stellte ich fest, dass eine Menge getrockneter, nicht heimischen Kakteenblüten unter dem Auto lagen. Es handelte sich um die Kakteen, die Ratten in Tucson unter meinem Wohnmobil als Vorratslager angehäuft hatten! Nun wusste ich, wo dieser Biester ihre Vorratskammer angelegt hatten, nachdem ich während Monaten dem Rätsel nicht auf die Spur gekommen war.
Die Waschbären liessen sich aber nicht so leicht wegscheuchen und kamen dann immer wieder unter das Auto, wenn ich wieder drinnen sass und es ruhig wurde; mal sehen, ob alles noch bis zum nächsten Morgen intakt ist, denn auch die Waschbären knabbern gerne an isolierten Kabeln und Leitungen herum...!





















Vom Caprock Canyon machte ich mich auf den Weg nach Westen. Mein Tagesziel war Clovis in New Mexico, nur gerade ein paar Meilen von der Texanischen Grenze entfernt.
Auf der über 135 Meilen fuhr ich durch flaches Agrarland mit wiederum unendlich grossen Baumwollfelder und schnurstracks geraden, verkehrsarmen Überlandstrassen. Dabei streifte ich gerade nur zweimal eine uninteressante Siedlung.
In Clovis ankommend nutzte ich wieder den Planet Fitness Gym, um meine Zirkulation nach dem langen Sitzen im Auto wieder auf trab zu bringen. Gleich nebenan befand sich der Walmart, wo ich wieder meine Speisekammer auffüllte.
Ich beschloss den Parkplatz vom Walmart für meine Übernachtung zu nutzen, da sich die Umgebung doch relativ ruhig anfühlte.
Da auch das Restaurant Denny's gleich gegenüber dem Parkplatz war, griff ich die Gelegenheit beim Schopf und gönnte mir am nächsten Morgen dort ein leckeres Frühstück.
Auf der Weiterfahrt Richtung Westen machte ich noch einen kurzen Stopp in Fort Sumner, um mir das "Billy The Kid Museum" anzuschauen. Ich wollte ein für alle mal wissen, was es so Besonderes an dieser Person gab, dass man sogar ein Museum in dessen Namen betrieb. Aber ausser dass er ein paar Typen um die Ecke brachte und sonst charakterlich nicht ganz einwandfrei war, ist die ganze Geschichte nur dem Tourismus wegen aufgebauscht worden! Naja, die 7 Dollar Eintritt konnte ich verschmerzen und schaffte es doch noch in vernünftiger Zeit, mir die ganze Sammlung von alter Ware, welche das Museum nur unnötigerweise vergrösserte, anzuschauen.
Von dort ging es nach Las Vegas (New Mexico!) am Ostabhang der Rocky Mountains. Da sich die Sonne bereits zum Horizont hin bewegte, entschloss ich mich im 4 Meilen vom Ort entfernten Storrie Lake State Park zu übernachten.
Nach wieder einmal einer kalten Nacht, die ich dank Heizung doch relativ wohlig verbrachte, fuhr ich in die Berge.
Die Landschaft wurde abwechslungsreicher und die bewaldeten Täler hatten eine wilde Schönheit. Insbesondere der Ort Mora hat mir gut gefallen, nicht weil es ein schmuckes Dörfchen ist, wo hauptsächlich Indianer wohnen, die ihre Gärten voll mit Schrott zugeschüttet haben, sondern an der schönen Lage im gleichnamigen Tal.
Von da ging es hinauf auf den ersten Pass knapp unter 3000m Höhe, um durch den Santa Fe National Forest zu fahren.
Ich machte noch einen kurzen Zwischenstopp im Sipapu Skiresort, wo ich mich fast hinreissen liess, skizufahren: für $49 die Tageskarte und $49 für die Ausrüstung schien mir die finanzielle Belastung im erträglichen Masse zu sein. Da es aber bereits Mittag war, entschloss ich mich doch noch weiter bis nach Santa Fe zu fahren. Dort besuchte ich wieder meinen Gym und erst auf dem Laufband wurde mir bewusst, dass ich mich auf über 2000m Höhe befand.
Ein Übernachtungsort war schnell auf meiner App "iOverlander" ca. 9 Meilen ausserhalb gefunden.
Da es Samstag Abend war, sausten noch bis spät in die Abendstunden die Einheimischen mit ihren ATVs (all terrain vehicles) die Staubstrasse rauf und runter. Den Schlaf konnten sie mir aber trotzdem nicht nehmen.
Am nächsten Tag machte ich noch einen kurzen Abstecher ins Zentrum von Santa Fe, welches die höchsgelegene Bundestaathauptstadt (Hauptstadt von New Mexico) der USA ist, auf ca. 2200m Höhe. Dabei ähnelt das Zentrum eher einem mexikanischen Dorfes: die Häuser wurden im Adobe-Stil errichtet und die bescheidenen wenigen Gebäude aus der Spanischen/Mexikanischen Zeit leicht renoviert.
Am Nachmittag fuhr ich bei ungewöhnlich bedeckten Himmel zu einem Ort, wo ich mein Gebrauchtwasser entleeren und frisches Wasser auffüllen konnte. Gleich nebenan hatte ich auch die Möglichkeit, eine meiner zwei Gasflaschen auffüllen zu lassen. So war ich gut abgesichert, dass mir bei der Kälte das Gas zum heizen nicht ausgeht.
Los Alamos, wo die erste Atombombe entwickelt wurde (siehe: Oppenheimer) und wo sich immernoch ein riesiges Laborareal der US-Regierung befindet, war nur gerade 14 Meilen entfernt, sodass ich den kurzen Umweg in Kauf nahm, mir diesen historischen Ort anzuschauen. Hat mich jedoch nicht umgeworfen: Los Alamos ist ein ruhiger Ort, der touristisch nicht viel hergibt ausser die nukleare Vergangenheit. Durch die Nähe zu den Bergen und nahegelegenen archeologische Fundstätte (Bandelier National Monument, welches ich mir nicht angeschaut habe), hat es doch für outdoor-Begeisterte und Indianer-Kultur-Interessierte seinen Reiz.
Nur wenige Meilen oberhalb vom Ort fand ich dann einen sehr ruhigen Übernachtungsort.
Am darauffolgenden Morgen fuhr ich weiter in die Berge hinein und plante einen Halt im "Valles Caldera National Preserve" zu machen: ein riesiger Krater der vor 1,2 Millionen Jahre explodiert und eingestürzt war.
Aber zuvor machte ich noch eine kurze Wanderung hinauf auf den Cerro Grande (knapp über 3000m hoch), von wo ich eine atemberaubende Sicht auf das Gebiet des Kraters genoss. Obwohl ich mich auf 3000m Höhe befand und es tiefwinterlich sein sollte, war von Schnee nicht viel zu sehen: eine aussergewöhnliche Trockenheit lässt Schlimmes für den Sommer erahnen...!
Der Besuch im Visitor Center des Valles Caldera war widererwartend interessant: auf einen ca. 5 Meter grossen runden Tische konnte man interaktiv die geologische Geschichte der Caldera im Zeitraffer beobachten. Mit Licht, Ton und Video bekam man eine plastische Vorstellung, was in den letzten Jahrmillionen geologisch abging.
Für das Nächtigen suchte ich mir einen Platz in der Höhe auf dem Weg nach Cuba/NM aus, war aber nicht sicher, ob die ungeteerte Strasse im Winter passierbar war. Probieren geht über Studieren, sagte ich mir und so fuhr ich meinem Ziel entgegen. Aber die Strasse war schliesslich doch schlimmer, als ich es mir ausgedacht hatte: durch die milden Temperaturen und den im Wald und auf der Strasse noch liegenden Schnee verwandelte sich die Piste in eine schmierige, schlüpfrige Angelegenheit mit tiefen Fahrfurchen; ohne meinem doch eher auf offroad getrimmten Wagen wäre ein Durchkommen nicht möglich gewesen.
Auf einer Anhöhe nebst der nicht befahrenen Strasse genoss ich noch die letzten Sonnenstrahlen, bevor ich mich zur Ruhe legte.
Am nächsten Morgen fuhr ich dann weiter nach Cuba. Nach nur ca. 5 Meilen war dann die Strasse wieder asphaltiert und hatte auch nicht mehr so Mühe gehabt, den unasphaltierten Bereich hinter mich zu bringen, da alles hart gefroren war.
Auf der anderen Seite lass ich auf einer Tafel, dass diese Strecke im Winter nicht passierbar sein sollte...die Schneearmut dieses Winters machte es doch möglich...!
In Cuba ergänzte ich meinen Kühlschrank mit ein paar wenigen Sachen und fuhr dann weiter entlang reizvoller Landschaft über Chama und Dulce zu meinem weiteren "naturnahen" Übernachtungsplatz im Carson National Forest.





























Im Carson National Forest habe ich wieder eine sehr ruhige Nacht verbracht, mutter-seelen-allein.
Die Nacht war wiederum bitter kalt, aber der fast wolkenlose Himmel versprach, dass die Sonne im Verlaufe des Tages die Temperaturen wieder auf angenehme Werte heben wird.
Die ca. 70 Meilen lange Fahrt von meinem Übernachtungsort bis zum nächsten Halt in Farmington/New Mexico verlief in einem flachen, canyonartigen Tal, welches sich von bewaldeter Landschaft zu zunehmend trockener Hochlandwüste veränderte. Dabei sah man, je mehr man sich Farmington näherte, zahlreiche Erdgas-Zapfstellen und ab und zu eine Öl-Bohrstelle. In der Tat ist Farmington ein Zentrum der Erdgas- und Öl-Produktion in New Mexico.
In Farmington nutzte ich wiedereinmal die Gelegenheit einen Besuch beim Gym zu machen und mich bei Walmart mit Lebensmittel einzudecken. Übernachtet habe ich dann 20 Meilen weiter westlich auf einem Parkplatz eines Casinos im Navajo-Indian-Reservat, nachdem ich vorher um Erlaubnis gebeten habe.
Am nächsten Morgen entschied ich mich nochmals 10 Meilen zurückzufahren, um in einer Autowasch-Stelle den Dreck der letzten "Schlamm-Tour" über die Berge vor Cuba herunter zu waschen; erstaunlich wie viel Schlamm am Unterboden des Fahrzeugs kleben geblieben ist!
Danach fuhr ich die 20 Meilen bis Shiprock, wo ich mir einen in mitten der Ebene stehenden Monolit aus der Nähe anschauen wollte (siehe Bild).
In Shiprock biegte ich in die Strasse nach Norden Richtung Colorado ab.
Mein erster Halt in Colorado war dann Cortez, wo ich mir in einem Sportladen Empfehlungen für das Erkunden der Umgebung einholte und eine Freizeit-Landkarte von Colorado kaufte. Als Folge davon endete ich den Tag an einer idyllischen Camping-Stelle am Rande des Sand Canyons, in einem Gebiet mit vielen prekolombinischen Ausgrabungen, mit weitem Blick zu den markanten Ute Mountains.
Der nächste Tag begann mit Regen, der sich den ganzen Tag hinstreckte.
Da ich für meinen Campingplatz fast eine Meile Fahrt auf unbefestigten Forstweg in Kauf nehmen musste, war dieser, als ich dann am Morgen losfuhr, vom Regen so durchnässt und aufgeweicht, dass es eine zünftige Rutschpartie wurde, die sich schlimmer herausstellte als tief winterliche Bedingungen. Aber dank dem Allradantrieb des Fahrzeuges konnte ich diese Bedingungen doch mehr oder weniger problemlos meistern. Nur war jetzt das Fahrzeug wieder voll verdreckt!
Die Fahrt ging bei trüben und nassen Wetter Richtung Nordwesten nach Moab in Utah. Doch ca. 50 Meilen vor Moab, bei Monticello, präsentierte sich die Landschaft im weissen, winterlichen Kleid.
Moab war dann einiges milder, da es sich auf niedrigerer Höhe befindet. Auch die Sonne machte am frühen Nachmittag zaghafte Versuche, durch die Wolkendecke zu blicken.
Bevor ich mich auf die Suche für einen Übernachtungsplatz machte, unternahm ich noch eine kurze Wanderung in dem von wilder Schöhnheit und unzähligen geologischen Naturkunstwerken so reichlich bestücktes Gebiet um Moab. Während dem Wandern musste ich höllisch aufpassen nicht zu stolpern oder meinen Knöchel zu verdrehen (meine grosse Schwäche und Sorge) vom vielen Bestaunen dieser eindrücklichen Landschaft.
Von Moab war ich sehr überrascht zu sehen, wie kommerziell eigentlich dieser Ort ist: eine Vielzahl von Hotels, Motels, AirBnBs und Campingplätze, sowie auch mehrere Agenturen, die Tagesausflüge mit geländegängigen Fahrzeugen anbieten. Eigentlich ist Moab auch ein Mekka für Mountainbiker.
So ca. 10 Meilen ausserhalb von Moab fand ich dann einen angenehmen und sehr ruhigen Platz auf BLM-Land (Bureau of Land Management, d.h. öffentliches Land, wo man frei campieren kann).
Der folgende Tag reservierte ich für eine Rundwanderung im nahegelegenen Arches National Park. Da ich die morgendliche Zeit in der Regel sehr gemütlich verbringe, schaffte ich es erst gegen Mittag am Eingang zum Nationalpark Schlange zu stehen: hier in den USA ist am Montag ein Feiertag, der "Presidents Day", sodass es für viele zu einem verlängerten Wochenende reichte, um längere Ausflüge zu machen. Und so war dieser Samstag ein äusserst verkehrsintensiver Tag, insbesondere in den Gebieten mit so vielen Attraktionen, wie hier in Utah es zu bestaunen gibt.
Ich machte die populärste Wanderung im Park, der "Devils-Garden-Trail", der wirklich, trotz Menschenmassen ein Leckerbissen war: abwechlungsreich, nicht allzu anstrengend, mit vielen bewundernswerten geologischen Skulpturen, aber auch mit tückischen Stellen, die nicht so weiteres zu bewältigen waren, wie das Hinabrutschen eines steilen Felsens und das Überwinden eines Wassertümpels, balancierend auf einen auf dem Wasser liegenden Baumstamm.
Alles in Allem ein gelungener Tag!
Für die Übernachtung entschied ich mich auf eine Anhöhe zu fahren, weit über Moab und am Fusse der frischverschneiten La Sal Berge; wiederum ein wildromantischer Platz mit Blick in die Abendsonne.
Am nächsten Tag war der Himmel wieder mit hohen Wolkenfelder bedeckt, sodass die Sonne höchstens einen milchigen Eindruck erweckte.
Nach dem Frühstück machte ich mich auf dem Weg nach Gateway und weiter nach Grand Junction, wieder in Colorado.
Der Weg schlängelte sich auf einer steilen Passstrasse um die La Sal Berge herum, mit toller Weitsicht und eindrücklichen Blick hinunter ins Tal. Nach einer Gabelung, bei der es entweder Richtung Moab oder weiter nach Colorado ging, war die Strecke nach Colorado unasphaltiert...und total verkehrsarm. Die Strecke war anfänglich mit Schnee bedeckt, was für meinen Sprinter mit Allradantrieb eigentlich kein Problem darstellte. Aber je weiter man wieder in die Tiefe kam, wurde diese Forststrasse zur Schlammfahrt. Tiefe Fahrfurchen und extrem rutschiger Schlamm liessen meinen Adrenalinspiegel höher steigen. Insbesondere als sich immer wieder die Hinterachse des Fahrzeugs wegzurutschen drohte und das Fahrzeug eventuell quer im Seitengraben landen könnte, war mir bewusst, dass dies eine abenteuerliche Fahrt werden würde.
Aber langer Rede kurzer Sinn, die Strecke an und für sich ist ein Leckerbissen an landschaftlicher Schönheit, vorallem im Frühling (wenn der Schnee geschmolzen und die Strecke trocken ist), Sommer und Herbst. Aber sicherlich ist dann einiges mehr los, als zu dieser Jahreszeit. Im Prinzip wäre diese Strecke im Winter eigentlich nicht befahrbar, denn erstens gibt es keinen Winterdienst und zweitens hat normalerweise in anderen Jahren viel mehr Schnee zu dieser Jahreszeit.
Die letzten Meilen vor Gateway ging es steil bergab in einen Canyon, bei dem jedoch die Strasse zusehends, zu meiner Erleichterung, befahrbarer wurde.
Auch ab Gateway bis knapp vor Grand Junction verlauft die Strasse (voll ausgebaute Strasse) entlang eines Tales/Canyons, der als eines der schönsten landschaftlichen Strassen von Colorado vermarktet wird. Auf alle Fälle hat es mir persönlich sehr gefallen!
In Grand Junction, ein Ort mit ca. 70'000 Einwohner, machte ich dann Halt, wiederum im Gym, und suchte mir dann in der Dunkelheit einen geeigneten und ruhigen Übernachtungsplatz auf BLM-Land in den Aussenbezirken des Ortes.



























