Erstaunlich viele Bächlein: ein Zeichen nicht nur des vielen Regens in den vergangenen Tagen, sondern auch, dass man langsam in die Berge kommt.
Erstaunlich viele Bächlein: ein Zeichen nicht nur des vielen Regens in den vergangenen Tagen, sondern auch, dass man langsam in die Berge kommt.
Mal Rehe von der Nähe betrachtet.
Mal Rehe von der Nähe betrachtet.
Auf den ersten Höhenübergang
Auf den ersten Höhenübergang
Die Täler werden immer eingeschnittener...
Die Täler werden immer eingeschnittener...
Erster Blick hinüber zum T. Roosvelt Lake
Erster Blick hinüber zum T. Roosvelt Lake
Blick zurück in wüstenhafter Bergwelt...
Blick zurück in wüstenhafter Bergwelt...
Weg hinunter Richtung Roosvelt Marina
Weg hinunter Richtung Roosvelt Marina

8.04.2024, Meile 340.8 bis 343.7

Der Tag heute gilt als ein "nero" (near zero), da nicht mehr als knapp über drei Meilen bis zur Roosevelt Marina zu laufen waren.

Die Roosevelt Marina besteht wirklich aus einer Marina plus campground, Restaurant und kleiner Laden. Ich erhoffte, mich in den kleinen Laden neu einzudecken, denn meine Essensvorräte waren fast völlig aufgebraucht. Fehlanzeige!

Der Laden bot zu wenig an Essenwaren, sodass ich mich entschied, nach Tonto Basin auto zu stoppen und dort mich nicht nur im grösseren Lebensmittelladen umzusehen, sondern auch gleich im Hotel zu übernachten, duschen und Wäsche waschen.

Während dem Aufenthalt in der Marina nahm die Zahl an hiker im Verlaufe des Vormittags mehr und mehr zu, die aber hauptsächlich an ihnen geschickte Päckchen abholten, sich im Restaurant verpflegten und sogleich weiterzogen.

Blick auf den T. Roosevelt lake mit einem trailerpark im Vordergrund
Blick auf den T. Roosevelt lake mit einem trailerpark im Vordergrund
...und die Bootsanlieger der Marina.
...und die Bootsanlieger der Marina.

9.04.2024, Meile 346.6 bis 368.5

Um 7:30 Uhr hat mich der Freund der Hotel managerin freundlicherweise zurück zum AZT gefahren und akzeptierte nicht einmal ein Trinkgeld dafür!

Um ca. 8:15Uhr lief ich dann vollbepackt los; wieder einmal zuviel Essen eingekauft!

Gleich am Anfang ging es steil mehrere hundert Fuss bergauf; ich spürte, dass meine Beine noch nicht richtig wach waren und nur in kleinen Schritten machte ich keuchend Fortschritte.

Nach ein paar Meilen eher einfachere Topographie ging es dann ab Meile 352.6 so richtig zur Sache: so ca. 900 Höhenmeter steil bergauf!

Mit disziplinerten Kräfteeinteilenkam ich dann mit dem trail gut zu recht.

In der Höhe ging es mit stetigen Auf und Abs rund um den Four Peak; eine spektakuläre und schöne Höhenwanderung mit tollen Ausblicke zum T. Roosevelt lake sowie auch auf die zerklüfteten vier Gipfel des Four Peaks.

Nach ein paar Meilen Staubstrassewanderung sah ich das Zelt eines Wanderkollegen, was mich bewog auch Halt zu machen; schliesslich war es schon bald 17:30Uhr und meine Füsse baten um Erholung!

Trailhead beim T. Roosevelt Lake
Trailhead beim T. Roosevelt Lake
T. Roosevelt Lake in der Ferne
T. Roosevelt Lake in der Ferne
Four Peaks in der Four Peaks Wilderness
Four Peaks in der Four Peaks Wilderness
Entlang felsiger Hänge die Four Peaks umrundend.
Entlang felsiger Hänge die Four Peaks umrundend.
Four Peaks auf der Nordseite mit Schnee
Four Peaks auf der Nordseite mit Schnee
Blick Richtung Phoenix auf der Staubstrasse wandernd.
Blick Richtung Phoenix auf der Staubstrasse wandernd.

10.04.2024, Meile 368.5 bis 396.1

Heute relativ spät aufgestanden, da der Morgen sehr frisch war...nahe dem Gefrierpunkt. Auf alle Fälle war das Kondenswasser im Zelt teilweise gefroren!

Aber die Sonne erreichte mich schon um 6:45Uhr, sodass ich noch bevor ich abmarschierte mein Zelt und den Schlafsack an der Sonne zum trocknen ausbreitete.

Um 8Uhr habe ich alles eingepackt und lief los.

Die ersten 8 Meilen waren entlang einer Forststrasse mit phantastischer Fernsicht, die ab und zu steile Passagen aufwies aber keine bemerkenswerte Höhendifferenz.

Nach ca. 3 Meilen erreichte ich den höchsten Punkt auf über 6000 Fuss bevor es dann lange bergab Richtung Autobahn Phoenix-Payson ging.

Ca. 2 Meilen vor der Autobahnunterquerung machte ich halt an einem Flüsschen mit köstlichem Wasser und schattigen Plätzchen. Hier machte ich mir das Mittagessen, waschte mich im Fluss und füllte meine Wasserflaschen für die nächsten 8 Meilen wieder auf.

Nach ca. 19 Meilen ging es wieder ernsthaft bergauf. Es war nicht einfach auf den letzten Meilen einen geeigneten Zeltplatz zu finden, was mich veranlasste, über 27 Meilen zu laufen.

Auf einen Seiten-trail fand ich einen guten Platz mit Aussicht!

Bei meinen Berichten steht eigentlich ein wichtiger Teil der Wandererfahrung im Hintergrund, nämlich der der zwischenmenschlichen Beziehungen bzw. der soziale Aspekt der Langdistanzwanderung.

Der AZT ist überraschenderweise sehr populär, auch bei internationalen Wanderer. Man begegnet unterwegs ständig neue Menschen, mit denen man ein kurzes Gespräch führt, oder mit denen, die man immer wieder sieht, eine Freundschaft aufbaut, die manchmal über den Trail hinaus Bestand hat. Durch das, dass man ein gemeinsames Ziel hat, entwickelt sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl, was die Begegnungen noch mehr erfüllender macht!

Also, auf dem Trail ist man nie alleine und doch kommt man bzgl. Einsamkeitserlebnis in der Natur auf seine Kosten.

Mein Zeltplatz bei den ersten Sonnenstrahlen
Mein Zeltplatz bei den ersten Sonnenstrahlen
Dürre Vegetation auf über 6000 Fuss
Dürre Vegetation auf über 6000 Fuss
Blick nach Phoenix ganz im Hintergrund
Blick nach Phoenix ganz im Hintergrund
"Boulder Pools", erfrischende Wasserbecken im Fluss
"Boulder Pools", erfrischende Wasserbecken im Fluss
Grüne Gräser und Blumen, die bald verdörren werden
Grüne Gräser und Blumen, die bald verdörren werden
Bachüberquerung und angenehmer Mittagsrastplatz
Bachüberquerung und angenehmer Mittagsrastplatz
Gelber Blumenteppich bei eine relativ flachen Strecke
Gelber Blumenteppich bei eine relativ flachen Strecke

11.04.2024, Meile 396.1 bis 422.4

Die Nacht und der Morgen auf den Bergrücken ist wärmer als im Tal; so habe ich kein Kondenswasser im Zelt gehabt, was dasEinpacken wesentlich angenehmer macht. Auch die wärmeren Morgentemperaturen verleiten zum früher aufstehen; so war ich bereits um 6Uhr abmarsch bereit.

Eine gute Anfangszeit zum richtig Meilen über den ganzen Tag zu machen, dachte ich mir... Wäre da nicht der Faux-pas, der mir gleich zu anfang an passiert ist: habe eine Abzweigung verpasst und landete ganz woanders bevor ich meine Fehler bemerkte. Das Ganze hat mir mindestens 50 Minuten gekostet, abgesehen von der verschwendeten Energie und Nerven!

Zurück auf den AZT hatte ich dann nicht mehr den Biss wie in den letzten Tagen: meine Muskeln fühlten sich hart an. Trotzdem holte ich meine Hiker-Kollegen nach und nach ein.

Die Etappe war nicht nur hart von der Distanz, die ich zurückgelegt habe (26.3 + 3 = 29.3Meilen), sondern auch topographisch.

Die Tagestemperaturen waren bisher die wärmsten und wenn es nicht wegen der Brise gewesen wäre, wäre es richtiggehend heiss gewesen.

Am Schluss habe ich soviele Meilen zurückgelegt, weil ich keinen geeigneten Zeltplatz fand. So stellte ich zum ersten Mal mein Zelt in völliger Dunkelheit auf, d.h. um 19:30Uhr, mit Hilfe der Stirnlampe.

Unendliche, menschenleere Täler mit buschartiger Vegetation
Unendliche, menschenleere Täler mit buschartiger Vegetation
Blick von einen der mehreren Bergübergänge
Blick von einen der mehreren Bergübergänge
Auf fast 7000 Fuss trifft man schon Tannenwälder an
Auf fast 7000 Fuss trifft man schon Tannenwälder an
Blick zurück mit den Four Peaks im Hintergrund
Blick zurück mit den Four Peaks im Hintergrund

12.04.2024, Meile 422.3 bis 446.5

Wie immer war ich schon vor Tagesanbruch wach. Nachdem ich mein peanutbutter burrito vertilgt hatte, packte ich meine Siebensachen zusammen und marschierte um 6:45Uhr los.

Nach kurzer Zeit traf ich Duckling, eine junge Frau, die ich seit mehreren Tagen immer wieder antraf. Ich lief eine Weile mit ihr mit, bis die erste Steigung kam. Sie konnte das Tempo nicht mithalten und sah sie erst wieder in der Mittagspause an einen schönen Fluss.

Der Fluss war eine willkommende Erfrischung nach anfänglichen anstrengenden Auf und Ab und einen nicht enden wollenden Abstieg. Zudem war es einer der wärmsten Tage.

Im Fluss tauchte ich mit samt den Kleider unter, sodass ich nicht nur meine Hose und Hemd wusch sondern auch meinen ganzen Körper.

Auch Duckling und Sebastian, die dann später eintrudelten, nutzten diese herrliche Gelegenheit zum baden. Nur Finder, den ich am Fluss einholte, bekam nur die Füsse nass, da wir notgedrungen den Fluss ohne Schuhe überqueren mussten.

Nach dem Baden und Essen fühlte ich mich wieder wie neugeboren und lief mit neuem Elan los bis nach ca. 1 Meile ein kurzer, aber steiler Anstieg aufs Plateau kam: mitten im Aufstieg machte ich schlapp, denn die Sonne brennte auf den Hang unbarmherzig!

Nachdem ich diese Stufe mit nicht eingeplanter Verspätung überwunden hatte, ging es einige Meilen flach bis zur nächste Wasserstelle weiter, wo ich mich dann reichlich mit Wasser eindeckte.

Beim letzten Aufstieg, knapp nach 18:00Uhr, traf ich Profit mit seinem Hund, der von Pine her gewandert ist und gerade dabei war, sein Zelt aufzustellen. Da meilenweit gut geeignete Zeltplätze rar waren und bei Profit noch eine zweite Stelle als mehr oder weniger geeigneter Zeltplatz vorhanden war, entschloss ich mich kurzer Hand Feierabend zu machen.

Profit habe ich kennengelernt, als er in der Roosevelt Marina eine Visite machte. Als ehemaliger hiker hatte er einfach Spass, sich mit hikern auszutauschen. Eigentlich ist er ein "homeless", der in seinem alten Pick-up wohnt.

Mein Zeltplatz mit anderen hiker früh morgens
Mein Zeltplatz mit anderen hiker früh morgens
Ein nicht enden wollender Abstieg ins Flusstal
Ein nicht enden wollender Abstieg ins Flusstal
Eine willkommender Erfrischung im East Verde river mit Duckling
Eine willkommender Erfrischung im East Verde river mit Duckling
Blick zurück hinunter zum East Verde river
Blick zurück hinunter zum East Verde river

13.04.2024, Meile 446.6 bis 456.3

Eigentlich habe ich gut geschlafen, jedoch wurde ich vom Bellen von Profits Hund geweckt, als zwei hiker nachts um 2Uhr vorbeiliefen.

Meine Vorräte neigten sich langsam dem Ende zu, was mich angeregt, kreativ zu werden: Ramen-Nudeln mit Soja-Gewürz, reichlich Erdnussbutter mit Honig beigemischt und restliche Speckstückchen und fritierte Zwiebeln drunter gerührt...eigentlich gar nicht so schlecht!

Um 7:20Uhr brach ich zu den letzten 10 Meilen nach Pine auf. Da zumindest die Hälfte des Weges ohne Steine, sprich kleine Hindernisse, war, konnte ich einen flotten Rythmus hinlegen, den ich bis zuletzt beibehielt. So kam es, dass ich diese Strecke in rekordverdächtigen 2 3/4 Std zurücklegte, ohne jeglichen Stopp.

So war ich bereits knapp nach 10Uhr an der Strasse, die nach Pine hineinfuhr.

Dort wartete schon Finder, der von einer Hotelbesitzerin abgeholt werden sollte.

Als sie nach 10 Minuten kam, schloss ich mich an und bestellte auch gleich ein Zimmer im Hotel.

Das Bee Line Guest House ist ein kleines, schmuckes Hotel mit sehr schönen Zimmer. Ich bekam eines mit Jacuzzi zum Sonderpreis, als die Besitzerin erfuhr, dass ich Geburtstag hatte.

Zusammen mit Finder dann schnell zum Wäscheautomat und Supermart zur Veproviantierung. Danach einen Hamburger mit Pommes verschlungen.

Am Abend dann noch zum Mexikaner...

Mein Zeltplatz am Morgen zusammen mit Profit und seinen nicht ganz rassenreinen Border Collie
Mein Zeltplatz am Morgen zusammen mit Profit und seinen nicht ganz rassenreinen Border Collie