Distanz: 145km
Anstiege: 1756m
Obwohl der Vortag und -abend sehr mild waren, hat es in der klaren Nacht merklich abgekühlt und der Morgen war sehr frisch.
Hatte mit meinem Zeltnachbarn, der biker Steve aus Virginia, abgemacht, gemeinsam zum Frühstücken zu gehen in einem ca. 1 Meile entfernten Restaurant.
Dort trafen wir noch 2 biker, die allesamt richtung Süden unterwegs waren, und wir bildeten einen Vierertisch.
So knapp vor 10Uhr fuhr ich dann endlich los und es ging gleich zur Sache: über 700 Höhenmeter über ein Bergübergang waren zu bewältigen!
Die letzten Meter des Bergübergangs bestand aus einem Single trail mit steilen Passagen, aber nichtsdestotrotz war es eine willkommene Abwechslung zu den ständigen Schotterpisten und konnte die atemberaubende Landschaft trotzdem geniessen!
Auf der anderen Seite ging es auf die lange Bergabstrecke hinunter zum wunderschönen Holland Lake, wo ich mir eine längere Mittagspause mit einem erfrischenden Schwumm im See.
Am späteren Nachmittag machte ich mich auf zu meinem Etappenziel: Swan Lake.
Es war ein kühnes Unterfangen, denn bis Swan Lake musste ich noch mehr als 50km zurücklegen mit einigen Steigungen zwischendurch. Und meine Beine waren doch schon ein bisschen müde von der Strapaze des Vormittags!
Trotzdem schaffte ich die Strecke noch vor dem Sonnenuntergang und hatte dabei noch Spass im flotten Tempo nonstop durch den Wald zu fahren.
Nach 20Uhr erreichte ich einen privaten Campground am Swan Lake, wo ich mir eine warme Dusche, erfrischende Getränke und ein selbsgekochtes leckeres Abendmahl bei lästigen Mosquito-Schwärme gönnte.
Im Zelt war ich dann von den Plagegeister sicher und obwohl der campground an einer doch unerwartet verkehrsreicher Strasse lag, habe ich doch gut geschlafen.
Distanz: 95km
Anstiege: 932m
Heute zeigte sich der Himmel bewölkt und es schien sich Regen anzumelden. Ich merkte auch wenige kleine Tröpfchen auf meiner Haut, aber das war es auch schon: die Wolken verzogen sich und machten wieder Platz für einen sonnigen Tag.
Nachdem ich meine Sachen zusammengepackt habe, gönnte ich mir noch einen "breakfast burrito" im zeltplateigenen Restaurant.
Um 9:30Uhr gings dann auf die weniger anspruchsvolle Strecke bis nach Columbia Falls, obwohl doch noch ein Übergang mit über 500 Höhenmeter zu bewältigen war.
Nachdem ich fast im Fluge den Bergübergang hinter mich brachte, merkte ich doch nach der langen Abfahrt, dass ein "breakfast burrito" doch fast zu wenig war, um weiterhin Leistung meiner Beine abzuverlangen. Ich schleppte mich dann doch noch mehr schlecht als recht bis nach Columbia Falls, dank Rückenwind und flaches Streckenprofil.
Noch vor Columbia Falls sah ich vor mir einen Jungbären die Strasse überqueren, aber sobald er mich sah, machte er sich auf und davon... Ob es ein Grizzly war oder"nur" ein Schwarzbär konnte ich nicht erkennen.
In Columbia Falls gönnte ich mir zu aller erst einen Riesenbecher soda und ging ins nächstbeste Restaurant essen.
Danach ging ich in einen Wäschesalon meine Klamotten wieder ins "Reine" zu bringen und machte mir Gedanken, wo und wie ich die Nacht verbringen sollte, denn die Hotels sind in Columbia Falls wegen der Nähe zum Glacier National Park zu dieser Jahreszeit exorbitant hoch!
Schliesslich, nach langem Hin und Her, entschloss ich mich ein Opfer zu bringen und buchte im am wenigsten teueren Hotel ein Zimmer. Dafür gabs dann am Abend Nachtessen "nur" vom Supermarkt...!
Distanz: 114km
Anstiege: 1472m
Nachdem ich gestern einen Ruhetag in Columbia Falls eingelegt habe und ausser Essen und Nichtstun noch dem Fahrradmechaniker einen Besuch für Feineinstellungen meines Gefährts abstattete, bin ich heute wieder mit Energie vollgetankt ca. um 8:30Uhr auf die Strecke gegangen.
Nachdem es am Vorabend noch einen kräftigen Regenschauer gegeben hatte, zeigte sich der heutige Morgen wieder von der sonnigen Seite.
Anfänglich verlief die Strecke im Flachen durch landwirtschaftliche Gegend. Nachdem ich das Städtchen Whitefish und der gleichnamige See hinter mir liess, bog die Strecke in eine Schotterstrasse ab, die langsam aber kontinuierlich hoch zum einzigen Bergübergang des Tages führte.
Nach 65km kam ich dann zum höchsten Punkt an und kurz danach machte ich an einem wunderschönen Bergsee meinen wohlverdienten Mittagshalt, denn die letzten 3km waren mal wieder wegen der Steigung nur im kleinsten Gang zu bewältigen.
Beim See gab es ein Zusammentreffen von mehreren biker: da war ein britischer Staatsbürger mit seinem schweren Gefährt richtung Süden unterwegs, sowie zwei Amerikanerinnen aus Colorado.
Auch Chris aus London, den ich noch beim Aufstieg überholt hatte, war mit von der Partie, sowie zwei sportliche Tagesausflügler mit ihren gravelbikes.
Die Rossbremen und andere Blutsauger trübten den sonst angenehmen Aufenthalt nur wenig ein.
Danach war wieder eine lange Abfahrt zu geniessen mit anschliessender angenehmer Steigung zum Etappenziel Tuchuck Campground.
Der campground war widererwartend fast leer, obwohl er idyllisch neben einem glasklaren Flüsschen liegt und von dichten Tannenwald umgeben und es Freitag ist und mehr Wochenendausflügler zu erwarten waren.
Im campground traf ich Ed, einen Einheimischen, der mit seinen Pferden hochfuhr, selbstverständlich mit Pferdeanhänger, um am nächsten Tag mit seinen zwei Enkelkinder einen Ritt hinauf auf die Berge zu unternehmen, der mich mit spannenden Bärengeschichten eindeckte; schliesslich ist angeblich dieses Gebiet jenes der südlich von Kanada liegenden mit der höchsten Dichte an Grizzlys!
Ich übernachtete zusammen mit Chris neben dem rauschenden Bach und friedlicher Umgebung.
Distanz: 84km
Amnstiege: 552m
Die Nacht verbrachte ich mehr wach als schlafend, denn ich spürte, dass ich zuwenig gegessen hatte und lauschte immer mit einem Ohr, ob sich nicht Wiltiere dem Zeltplatz näherten.
Und tatsächlich hatten wir Besuch, nicht von Grizzlys aber von einem Reh, welches nach Salzigem absuchte. So lagen meine Handschuhe, Helm und sogar Fahrradschuhe verstreut um den Picknick Tisch: meine neuen Fahrradhandschuhe offenbar gut gekaut und ausgesaugt, meine Schuhe sauber geleckt und im Helm fehlten alle Polsterungen!
Mit diesem Malheur hatten wir wirklich nicht gerechnet, aber es hätte schlimmer sein können, denn alles war noch zu gebrauchen.
Um ca. 8:30Uhr fuhr ich nach dem vor mir gestarteten Chris die letzten 10km Steigung hinauf zum Bergübergang, der dann in langer Schussfahrt hinunter nach Eureka führte.
In Eureka angekommen, gönnte ich mir nochmals ein Frühstück, bevor die letzten 12km auf US-Boden zurückzulegen waren.
Knapp nach Mittag übertraten wir die Grenze und fuhren entlang der Überlandstrasse zum 15km von der Grenze entfernten Loon Lake, um dort zu Zelten.
Der Loon Lake ist ein beliebtes Ausflugsziel für die in der weiteren Umgebung lebenden Kanadier, so war es nicht überraschend, dass einiges los war. Wir fanden trotzdem noch Platz für unsere Zelte und nutzten den Nachmittag zum Baden und entspannen.
Nach einem kohlenhydratreichen Nachtessen und anschliessenden Beobachten der Wasserschildkröten im See, neigte sich wieder ein schöner Sommertag dem Ende zu.
Distanz: 84km
Anstiege: 552m
Heute erwachte ich mit dem Gefühl gut und ruhig geschlafen zu haben.
Zum Frühstück gab es mal wieder Ramen-noodles aufgebessert mit einem grosszügigen Esslöffel Mayonnaise.
Um ca. 8:30Uhr fuhr ich los auf die relativ kurze und anspruchslose Strecke nach Fernie. Dabei genoss ich die flotte Fahrt über Land ohne nennenswerten Verkehr.
Nach ca. 50km hatte ich die erste Gelegenheit in einem Tankstellen shop estwas einzukaufen: kühle Getränke und ice cream! Dort traf ich einen Deutschen aus Leipzig der es kaum erwarten konnte, in Banff die Reise zu beenden: angeblich war er matt und angeschlagen wegen Durchfalls...!?
Nach über einer Stunde nahm ich dann die letzten 30km bis nach Fernie in Angriff.
Nach ca. 10km hörte ich dann ein Zischen, was unmissverständlich eine Leckage in einen der Reifen bedeutete. Das gleiche Loch, welches ich schon vor mehr als 7 Tagen flicken musste, ging wieder auf!
Irgendwie verstopfte sich das Loch dann wieder, denn im Reifen hatte ich ein Dichtmittel eingefüllt, welches kleine Löcher des Reifens automatisch abdichtete, denn ich verwendete keinen Schlauch.
Irgendwie schaffte ich es doch noch mit halbplatten Reifen bis nach Fernie zu fahren, wo die vier Fahrradshops trotz Sonntag offen hatten!
Beim dritten Laden fanf ich endlich einen neuen Reifen und liess ihn sogleich montieren, während ich in der Zwischenzeit mir ein Mittagessen gönnte.
Fernie ist im Winter ein beliebter Skiort und im Sommer ein Mountainbike und Wandergebiet.
Nachdem ich das Fahrrad wieder abholte, fuhr ich in die zentralgelegene Herberge, wo ich mir ein Bett in einer Box nahm.
Heute habe ich wiedereinmal einen Ruhetag eingelegt, nicht weil ich mich von den vorangehenden Etappen erholen musste, sondern weil angeblich das Wetter für eine Weiterfahrt nicht so freundlich zu werden schien. Aber Tatsache ist, dass der Tag sonniger wurde als vorhergesagt.
Ich verlängerte meinen Aufenthalt in der Herberge trotz schlechten Schlaf (die Hitze des Vortages fand auch in der Nacht seine Verlängerung und da man in der Herberge eine Schlafbox mit keiner Durchlüftung bekommt, war es mir zu stickig, um einen guten Schlaf zu finden!) und nutzte die Gelegenheit die schöne Umgebung vom Skiort Fernie zu erkunden.
Mit dem Fahrrad fuhr ich zum einige Kilomenter entfernten Skigebiet, um mit dem Sessellift in die Höhe zu fahren, um einen besseren Rundblick zu bekommen.
Auf Empfehlung von Mitarbeiter des Skigebiets wählte ich dann eine Strecke für die Rückfahrt, die angeblich elegant die Hauptstrasse zurück nach Fernie umfuhr, die jedoch, wie ich erst zu spät entdeckte, zu einer relativ anstrengenden Bergfahrt mit anschliessender technisch anspruchsvollen Abfahrt herauskristallisierte.
Aber gerade rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen um 4Uhr nachmittags war ich dann wieder zurück in der Herberge und kaufte mir im Supermarkt noch etwas zum Essen ein.
Distanz: 138km
Anstiege: 1525m
Heute Morgen war es bedeckt, es regnete noch leicht und es hat merklich abgekühlt; die Schneefallgrenze ist in der Nacht auf heute auf unter 2300m heruntergekommen...und das im Juli!
Nachdem ich nur ein leichtes Frühstück in Form von Yoghurt und Beeren einnahm, machte ich mich noch bei leichten Regen mit warmen Handschuhen, Wintermünze, Fleece und Regenjacke auf den Weg richtung Norden. Mein Plan war die restlichen 252km bis Banff in zwei Etappen zu schaffen, denn ab den dritten Tag ist wieder ganztags Regen angesagt.
Anfänglich führte die Strecke auf asphaltierter Strasse, wobei hauptsächlich die Haupverkehrsachse zum Zuge kam. Dementsprechend war der Verkehr eher unangenehm, denn die Kanadier, im Gegensatz zu den US-Amerikaner, haben doch ein eher eurpäischen Fahrstil und nehmen es nicht so genau mit der Rücksicht auf Fahrradfahrer.
Nach ca. 10km Strasse verliess die Rute den Asphalt und es war wieder Holper-Strasse angesagt!
Durch den jüngsten Regen haben sich etliche Pfützen gebildet, die es gekonnt zu umfahren galt. Auch Bäche waren zu durchkreuzen, die jedoch nicht allzu tief waren und somit die Schuhe relativ trocken liessen.
Da jedoch die "nasse" Schotterstrasse eigentlich fast den ganzen Weg parallel zur Hauptstrasse verlief, entschied ich mich dem Schütteln und Slalomfahren um die Pfützen ein Ende zu setzen und wieder zurück zur Strasse zu wechseln.
Noch vor 10:30Uhr erreichte ich nach über 30km Sparwood, wo ich mir dann in einem Restaurant ein richtiges Frühstück gönnte.
Sparwood ist wohl bekannt für seinen Bergbau, denn es ist gut sichtbar, dass ein ganzer Berg abgetragen wird! Dabei wird hauptsächlich Kohle abgebaut.
Nächster Halt war dann Elkford, das letzte Dorf vor Banff und die letzte Gelegenheit den Lebensmittelvorrat zu ergänzen!
In Elkford kam dann endlich die wärmende Sonne heraus und ich versuchte jeden Strahl einzufangen, denn ich war verschwitzt und verfroren!
Ab Elkford war dann nur noch Naturstrasse angesagt, die je weiter entfernt von Elkford war, je schlechter der Zustand. So wurden die Pfützen immer zahlreicher und der Schlamm immer weicher, nicht zuletzt, weil es immer höher ging hinein und feuchter wurde in eindrucksvoller Berglandschaft.
Nach 138km erreichte ich dann schliesslich knapp vor 19:30Uhr mein eingeplantes Ziel am Lower Elk Lake, der malerisch von mächtigen Berggipfel umgeben ist, bei denen ich zum ersten Mal auf der gesamten Reise einen Gletscher zu Gesicht bekomme!
Direkt am See stelle ich mein Zelt in den dafür vorgesehenen, mit Holzspänen vorbereiteten Platz auf und koche mir mein wohlverdientes Abendessen.
Es scheint, dass der Campground ein Geheimtip ist, denn neben mir campiert nur noch ein Wanderpärchen, sonst war niemand anderes zugegen!
Distanz: 101km
Anstiege: 1203m
Der Morgen zeigte sich bedeckt, wobei es sich um eine Nebelschicht, die aus der Restfeuchte der letzten Tage und der Abkühlung während der Nacht entstanden ist. Gemäss Wetterprognose sollte es aber einen sonnigen Tag geben.
Als ich um 9Uhr dann wieder auf der Strecke war und gleich zu Beginn die restlichen 210 Höhenmeter bis zum letzten Bergübergang in steilen Rampen zu überwinden galt, kam bereits die Sonne zum Vorschein und gab die Sicht frei auf die frischverschneiten Berggipfel.
Es war wohl die Anstrengung des Vortages oder zuwenig gegessen zu haben oder der schlechte Schlaf, was meine Beine nicht zur gewohnten Leistung hochfahren liess. Auf alle Fälle merkte ich, dass dies nicht mein Tag sein würde!
Nach der relativ kurzen Strecke über den Bergübergang, welche wiederum vollgespickt mit Pfützen war, ging es auf schlechtem Feldweg entlang von einer Stromleitung hinab in ein malerisches Tal, welches bereits zum Banff Nationalpark gehörte. Entsprechend war die Infrastruktur auch für den Turismus ausgelegt: gute Strassen, unzählige Campgrounds und sogar ein attraktiver Fahrradweg durch die Wälder und vorbei an eindrucksvollen Aussichtspunkten.
Als ich gerade bei einem Campground vorbeifuhr, kam ich endlich in den Genuss ein "freilebender" Grizzly zu Gesicht zu bekommen: er spazierte so mir nichts, dir nichts ca. 10m an mir auf der Strasse vorbei und würdigte mich nur mit einem kurzen, abschätzigen Blick und verschwand sogleich in den Campground. Dabei kam mir der Gedanke, ob dieser Bär nicht von der Parkverwaltung extra dafür angestellt wurde, um das Erlebnis für die Turisten noch ein bisschen "würziger" zu machen, indem sie ihn einfach herumspazieren liessen, denn er trug ein Halsband! Also doch ein "offizieller" Bär!?
Nach diesem kurzen Intermezzo ging es weiter bergab, bis zu einer Abzweigung, die auf ungeteerter Strasse durch ein malerisches Bergtal nach Banff führte.
Bei jeder noch so sanften Steigung machten meine Beine schnell schlapp und ich kam nur noch im Schneckentempo vorwärts! Die letzten 50km waren dann doch eher mit Gefälle, sodass ich es doch noch bis Banff vor 17:00Uhr schaffte.
Wie zu erwarten, ist Banff ein grosser Turistenmagnet: die Hauptstrasse voller Autos und links und rechts davon Shopping und Turisten bis zum Abwinken!
Ich war jedoch besorgt über eine bezahlbare Bleibe für die nächsten 2 Nächte, denn für den nächsten Tag war Regen "nonstop" angesagt. Völlig entkräftet entschied ich mich, als Willkommensgeschenk für das erfolgreiche Absolvieren des GDMBR tief in den Geldbeutel zu greifen und mir ein Hotel zu gönnen.
Nach dem Check-In und einer ausgedehnten Dusche, liess ich es mir gut gehen bei einem ausgezeichneten Abendessen in der Fussgängerzone!
Distanz: 0km
Anstiege: 0m
Wie vorhergesagt fing der Tag mit Regen an und mit kühlen Temperaturen.
Ich gönnte mir ein leckeres Frühstück in einem Restaurant an der Hauptstrasse und erledigte all meine Vorhaben in gemütlichen Tempo: Wäschewaschen, einkaufen gehen, Fahrrad und alle Gepäcktaschen waschen und weitere Rutenplanung.
Der Regen hörte im Verlaufe des Vormittags auf und am Nachmittag kam schüchtern die Sonne zum Vorschein.
Auch die mächtigen Berggipfel, die Banff umgeben, zeigten sich nach und nach.
Distanz: 138km
Anstiege: 1079m
Heute Früh kam ich in den Genuss eines sonnigen, aber frischen Tages.
Um 8Uhr machte ich mich auf, frühstücken zu gehen und fand ein kleines, heimeliges Restaurant unweit des Hotels.
Knapp nach 9Uhr war ich dann soweit parat die 138km bis Radium Hot Springs unter die Räder zu nehmen.
Die ersten 30km verliefen auf einer Nebenstrasse, die paralell zur Autobahn entlang führte, die aber doch relativ viel Verkehr aufwiess, da etliche turistische Stopps sich auf dieser Strecke befinden.
Danach kam eine Abzweigung, um die Überlandstrasse Nr. 93 richtung Süden nach Radium Hot Springs zu nehmen.
Diese Route war sehr verkehrsreich, denn sie führt durch den landschaftlich sehr attraktiven Kootenay National Park.
Der Pannenstreifen war breit genug, um den Autos nicht in die Quere zu kommen, aber der Lärm der vorbeifahrenden Autos, Lastwagen, Wohnmobile, etc. ging mir dann doch mit der Zeit auf die Nerven!
Meine Beine hatten sich offensichtlich vom Schwächeanfall bei der Ankunft in Banff wieder erholt, denn den ersten von zwei zu bewältigenden Pässe schaffte ich in relativ kurzer Zeit und machte erst nach dem Übergang eine kurze Pause beim Überqueren der kontinentalen Wasserscheide.
Danach ging es lange immer leicht bergab, sodass ich doch einen flotten Geschwindigkeitsschnitt hinlegen konnte.
Vor dem zweiten Anstieg des Tages machte ich dann eine verspätete Mittagspause, um nochmals Energie einzusammeln.
Der Aufstieg war mit zwei bergwärts führenden Bahnen ausgelegt, sodass der Verkehr nur so an mich vorbeiflog!
Um ca. 17Uhr passierte ich das Thermalbad von Radium Hot Springs und kurz danach reihte sich ein Hotel nach dem anderen direkt an der lärmigen Strasse.
Also, hatte ich die Qual der Wahl, obwohl doch einige bereits ausgebucht waren, denn es war ja schliesslich Freitag!
Zufälligerweise traf ich eine gute Wahl in einem von einem Holländer geführten Hotel.
Nach dem Duschen ging ich zu Fuss ins naheliegende Zentrum und gönnte mir, aus fehlenden Alternativen, einen Sandwich von Subway, den ich genussvoll zurück in meinem Hotelzimmer verspeiste.
Distanz: 132km
Anstiege: 552m
Nachdem es noch am Abend geschüttet hatte, zeigte sich der Himmel am Morgen mit Restbewölkung aber bereits mit Wolkenlücken.
Gegen 8Uhr fuhr ich los mit der Absicht, im nächsten Dorf, im 14km entfernten Invermere mein Frühstück einzunehmen. So sass ich nach einer anfänglichen Steigung in ca. 30 Minuten am Tisch eines fast leeren Restaurants. Trotzdem war das Essen lecker und die Bedienung freundlich.
Nächster Halt war das 26km entfernte Fairmont Hot Springs, wo ich mich mit Getränke in einem kleinen Supermarkt versorgte.
Eigentlich fuhr ich die gesamte Strecke auf der gleichen Überlandstrasse Nr. 93 nach Süden und obwohl der Verkehr wieder ziemlich lästig war, kam ich auf dem schmalen "Pannenstreifen" mit Rückenwind und flacher bis abfallender Streckenführung flott voran!
Die Sonne kam im Verlaufe des Tages immer besser zum Vorschein, sodass die Temperaturen im recht angenehmen Bereich sich einpendelten.
Eigentlich fuhr ich immer im selben Tal, welches vom Columbia Lake und anschliessend dem Kootenay Fluss gebildet wurde: ein breites Tal mit viel Wald, flankiert von über die Baumgrenze ragenden Berggipfel und sporadischer Weidelandwirtschaft.
Am Nachmittag bildeten sich Quellwolken, die dann als Gewitter ihre Feuchtigkeit hie und da niederliessen. Noch 17km vor meinem erklärten Tagesziel Cranbrook, machte ich einen letzten Halt bei einem Tankstellen shop und entschied mich, dass ich eigentlich lieber wieder campieren wollte, anstatt viel Geld für ein Hotel auszugeben. 3 km weiter war ein in einem kleinen Seitental versteckter campground, der mir sympathisch vorkam.
Dort machte ich Bekanntschaft mit den sehr freundlichen und hilfsbereiten Besitzer, die mir die Möglichkeit gaben, mein Zelt unter einem Dach aufzustellen, denn mittlerweile sah der Himmel bedrohlich aus...!
Beim Aufstellen des Zeltes entlud sich dann ein Gewitter und ich war froh, nicht nur dass mein Zelt trocken blieb, sondern dass ich auch mein Abendessen im Trockenen zubereiten konnte.
Distanz: 122km
Anstiege: 679m
Erst um 3Uhr morgens hörte es auf zu regnen, aber da ich ja mein Zelt unter einem Dach aufstellen konnte, blieb bei mir alles trocken!
Obwohl ich schon lange wach lag und das Zusammenpacken schon relativ speditiv klappt, fuhr ich erst um 8Uhr los mit dem Ziel, im 15km entfernten Cranbrook zu frühstücken.
Gleich zu Beginn galt es über 100 Höhenmeter zu bewältigen, was mich entgegen meines Vorhabens trocken zu bleiben voll ins schwitzen brachte! Trotzdem kam ich den Berg gut hoch und in 45 Minuten erreichte ich Cranbrook bei Sonnenschein.
Wie jeden Tag genoss ich ausgiebig mein Frühstück und machte mich dann erst nach 10Uhr auf den Weiterweg.
Die Strecke verlief widererwarten relativ flach, was mich wieder dazu animierte, die Fahrt in Zeitfahrmodus (sprich Rennmodus) zurückzulegen.
Irgendwann überquerte ich die Zeitzonengrenze und plötzlich war der Tag um eine Stunde länger...!
Erst im kleinen Dörfchen Yahk nach über 80 gefahrenen Kilometer machte ich meinen zweiten Halt (nach dem Frühstückshalt).
In einem kleinen Tankstellenshop besorgte ich mir verschiedene Getränke, unter anderem einen Liter Schockomilch, welche ich noch vorort hinunterschüttete (ich habe gehört, dass sogar Rennfahrer viel Schockomilch trinken, so quasi als Energiespender. So dachte ich mir, dies könnte für mich wohl auch etwas nützen!?).
Danach musste ich noch 40km zurücklegen, was wiederum schneller als erwartet vonstatten ging (nicht nur wegen der Schockomilch!).
Nach 15Uhr erreichte ich Creston.
Das kleine Städtchen liegt in einem weiten Tal umgeben von hohen Bergen mit Nordsüdausrichtung, was die landwirtschaftliche Produktion begünstigt! (erinnerte mich ein bisschen an Südtirol...) So wird der Obstanbau wie Beeren, Äpfel, Birnen, aber besonders auch von Kirschen intensiv betrieben. Bei den Kirschen steht gerade die Erntezeit bevor, da alle Bäume dick mit den süssen Früchtchen behangen sind!
Ich machte mich aber auf, direkt ins Zentrum zu fahren, wo ich dann bald ein kostengünstiges Hotel fand.
Müde ging ich anschliessend zum Wäschewaschen und gönnte mir weitere Getränke.
Offenbar habe ich mit dem Durcheinander der verschiedenen Getränke wohl das Fass zum überlaufen gebracht, denn der Darm liess mich mehrmals zur Toilette rennen. Die Toilettengänge erreichten solche Ausmasse, dass ich mich gleich zur Darmspiegelung hätte anmelden können...!
Schliesslich nach so viel flüssiger und wenig handfester Nahrung bekam ich Hunger und entschloss mich beim indischen Restaurant gegenüber dem Hotel eines meiner Lieblingsgerichte zu bestellen: Paneer Butter Masala (oder so ähnlich...!?), begleitet mit garlic naan-Brot. Lecker! So lecker, dass ich keinen Schlirp Sauce auf dem Teller liess!
Alles kam gut in meinen Magen an bis ich mir noch eine Tafel Lindt-Schockolade vor dem ins Bett gehen erlaubte, was ein leichtes Unwohlsein hervorrief.
Aber meine Hauptsorge war das Wetter, denn für die nächsten 2 Tagen ist Regen angesagt, sodass ich mich langsam mit dem Gedanken anzufreunden versuchte, in Creston zu bleiben und das "dolce far niente" auszuprobieren...!
Distanz: 124km
Anstiege: 1955m
Nachdem ich die letzten zwei Tage in Creston blieb und mir die Zeit mit Essen und Museumsbesuch vertrieb, während das Wetter sich eher von seiner nassen Seite zeigte, ging es heute mal zur Abwechslung wieder über Bergpässe, der Kootenay pass (1774m) und der Monashee pass (1189m).
Dabei hatte ich doch ziemlich Respekt vor dieser Tagesaufgabe, denn es waren doch an die 2000 Höhenmeter zu bewältigen, obwohl ich wusste, dass ich es irgendwie doch schaffen konnte!
Dementsprechend war ich bereits um 7Uhr auf dem Sattel auf dem Weg zum 7km entfernten Frühstücksrestaurant.
Um 8:30Uhr ging es dann richtig los: bei immernoch wolkenverhangenem aber trocken, ging es erstmal auf flacher und schnurgerader Strasse 7km lang auf die andere Talseite, wo es dann allmählich auf den nächsten 30km bergauf zum Kootenay Pass ging.
Meine Beine fühlten sich gut an (vielleicht hat das ausgiebige Stretching am Vortag doch geholfen!?) und ich flott und mit Leichtigkeit voran. Die Steigung war auch nicht sonderlich streng (ca. 3 - 5%) und ich genoss die Fahrt, obwohl es doch wieder einiges an Verkehr zu ertragen gab.
Die letzten 10km wurden dann immer steiler und erreichten zum Teil 8%! Obwohl ich den kleinsten Gang nie bemühen musste, so nahm ich das Tempo zurück und am Ende war ich dann froh, noch vor 12Uhr die Passhöhe müde aber gut erreicht zu haben.
Mittlerweile kam die Sonne auch immer mehr zum Vorschein und die Temperaturen fühlten sich wieder sommerlich an.
Nach einer längeren Snackpause machte ich mich dann auf die lange Abfahrt.
Nach 86 gefahrenen Kilometer machte ich dann mein Mittagshalt in der einzigen Ortschaft der gesamten Strecke: Salmo. Ein kleines Kaff inmitten der bewaldeten Berglandschaft, aber immerhin mit einem kleinen Skigebiet und zurzeit ein mehrtägiges, gutbesuchtes Openair-Festival (sehr wahrscheinlich aus diesem Grund war die Polizei fleissig unterwegs und hielt ständig andere Autos an...!?).
Da der Ort kulinarisch nicht viel zu bieten hatte, drückte ich ein Sandwich vom Tankstellen Shop hinunter, obwohl ich keinen Appetit hatte.
Auf den letzten 39km ging es dann über den weniger hohen Monashee Pass, der sich jedoch steiler und anstrengender anfühlte als der Kootenay Pass, da meine Beine doch erste Ermüdungserscheinungen zeigten und ich am frühen Nachmittag sowieso immer einen Leistungskurveneinbruch habe.
Schliesslich kam ich dann doch nach wieder langen Abfahrt gut in am Columbia Fluss liegenden Castlegar an.
Ich bezog mein vorreserviertes Hotel und nach der obligaten Dusche ging ich dann im Restaurant "Boston Pizza" Abendessen (aber keine Pizza!).
Distanz: 116km
Anstiege: 956m
Der Sommer ist zurück!
Bei wolkenlosen Himmel und angenehmen Temperaturen ging ich im benachbarten "Bombi" Restaurant frühstücken. Dabei hatte ich Mühe den XXL-pancake restlos zu verschlingen! ...am Morgen ist in der Regel mein Apetit relativ begrenzt...
Vom Hotel waren es noch ca. 10km bis zum offiziellen "Columbia&Western Rail Trail" Anfang, den ich in den nächsten Tagen richtung Westen befahren will, der direkt am Columbia River (oder die Verlängerung des Arrow Lakes) in der Nähe eines Holzverarbeitungsbetriebes liegt.
Der C&W Rail Trail ist ein ehemaliges Bahntrasse, welches Ende des 19ten Jahrhunderts für die Minen der Rockies gebaut wurde und später dann für die Holzwirtschaft von Bedeutung war.
Also hat der trail wegen der Bergauffahrtcharakteristik der Lokomotiven eine fast unmerkliche Steigung von 2-3%, jedoch während fast 50km!
Anfänglich kam ich relativ flott voran, denn die Beschaffenheit des Weges war gut und ich noch "frische" Beine hatte. Je näher ich jedoch dem Kulminationspunkt kam, umso müder wurden meine Beine und umso schlechter der Untergrund. Schliesslich nach fast drei Stunden erreichte ich nach mehreren Brücken und Tunnels, wobei der längste fast einen Kilometer lang und mit der Taschenlampe zu befahren war, "Farron encampment" auf ca. 1250müM, wo früher die Dampflokomotiven mit Wasser nachgefüllt wurden.
Dort machte ich einen ausgedehnten Mittagshalt mit Fettuccini Alfredo von Knorr.
Am Nachmittag ging es dann auf die lange Abfahrt richtung Cristina Lake, ein beliebter Sommerurlaubsee, und dann weiter nach Grand Forks, wobei ich den trail nie verlassen musste.
Die Sonne heizte gewaltig ein und so stiegen die Temperaturen auf über 32°C, was mein Flüssigkeitsbedarf sprunghaft ansteigen liess! Auch änderte sich die Landschaft, denn man merkte, dass man in einem klimatisch trockneren Tal fuhr. Trotzdem wird viel Landwirtschaft betrieben mit einer Vielzahl von Produkten, wie Äpfel, Pfirsiche, Beeren bis Knoblauch, Tomaten, usw.! Dies alles dank der Möglichkeit von künstlicher Bewässerung und reichlich vorhandenes, oder besser gesagt, zufliessendes Wasser.
Ankommend in Grand Forks ging ich als erstes in den "Subway" und bestellte mir den grösssten Becher Soda, den ich gleich zweimal füllte, bzw. in mich hinunterleerte!
Für das Übernachten reservierte ich ein Zimmer im Granby Hotel, das direkt neben dem Granby Fluss liegt mit seinem einladenden Wasser: denn die Temperatur bei Sonnenuntergang war immernoch 31°C!
Nach einem kurzen Spaziergang wie ein Zombie durch den hübschen, ruhigen und friedlichen Ort, plumbste ich völlig platt ins Bett.
Distanz: 39km
Anstiege: 441m
Schon gestern habe ich mich entschieden, heute einen "fast"-Ruhetag zu machen, indem ich gedenke nur die 39km bis Greenwood zu pedalen: zu sehr kam ich in den letzten Tagen müde am Ziel an und hatte Angst, dass sich diese Müdigkeit über die weitere Tage kummuliert und ich irgendwann nicht mehr die Leistung erbringe und am Ende keinen Spass mehr am Fahrradfahren haben könnte.
So ging ich relativ spät zum frühstücken an diesem wunderschönen Morgen.
Diesmal bestellte ich Eier à la benedict auf english-muffin mit Rindfleisch und grünen Salat... ein bisschen aussergewöhnlich fürs Frühstück, aber kam in meinen Magen gut an.
Nach einem kurzen Stopp im Supermarkt machte ich mich knapp nach 11Uhr auf den Rail Trail.
Wiederum ging es stetig im Wald bergauf, um einen Höhenzug zu überwinden und hinunter nach Greenwood.
Im Gegensatz zum GDMBR habe ich (bis jetzt) nicht allzu viele Fahrradfahrer angetroffen; heute kam mir, als einziger biker Fabrice aus Belgien entgegen und wir machten einen ausgedehnten chat und tauschten unsere Erfahrungen über die bisherige Route aus.
Am höchsten Punkt dieser Tagesstrecke machte ich dann schliesslich meinen Mittagshalt und verzehrte den im Supermarkt gekauften Eiersalat-Sandwich.
Da es ab diesem Punkt nur noch bergab ging, ass ich nur den Sandwich in der Hoffnung, dann in Greenwood etwas nahrhafteres zu finden.
Knapp nach 15Uhr fuhr ich in der kleinen Ortschaft ein und begab mich gleich zum einzigen Convenience store, wo ich mir frittierte Hähnchenstücke, cole slaw und als Nachtisch ein Häägen Daz Schockoladeneis gönnte.
Danach checkte ich ins reservierte Hotel ein und machte, was ich immer mache: duschen, wäschewaschen und ausruhen...
Distanz: 120km
Anstiege: 508m
Heute bin ich wieder ohne Frühstück losgefahren, denn der Plan war, im 15km entfernten Midway, im einzigen fürs Frühstück geöffneten Restaurant, einzukehren. Dabei wählte ich die Strasse anstatt den parallel dazu laufenden Rail Trail, da der Belag ein schnelleres Fortkommen erlaubte.
So sass ich gerade nur 5 Minuten nach Öffnung des Lokals (um 8Uhr) bereits zu Tisch.
Die Eier à la benedict waren nichts besonderes und der Sauerteigtoast war irgendwie künstlich übersäuert...! Trotzdem stopfte ich das Essen so gut wie ich konnte in mir hinein, denn ich wusste, dass jedeverzehrte Kalorie mich ein Stückchen weiter bringen wird!
Nach dem Essen wählte ich wieder den Rail Trail, den ich fast wieder für die Strasse eingetauscht hätte, da die Wegbeschaffenheit ausgesprochen holprig war. Aber es kam alsbald Besserung und ich war dann doch dankbar, nicht auf die langweilige Strasse gewechselt zu haben.
Dank der moderaten Steigung kam ich relativ flott voran, nicht zuletzt auch weil sich meine Beine stark anfühlten und ich eine ansehnliche Leistung auf die Pedale brachte.
Wiederum traf ich sehr wenige biker auf der Strecke, obwohl es doch ein bekannter/beliebter trail und Teil des TransCanada trailsystems ist.
Bis fast zum Endziel im campground von Arlington Lakes Recreation Site genoss ich die angenehme Strecke, als dann plötzlich eine Umfahrung wegen Wegsunterhaltsarbeiten angezeigt wurde.
Diese führte auf Forstwegen mit steilen Rampen zum Teil merklich in die Höhe, sodass ich sogar mal das Fahrrad schieben musste!
Schliesslich kam ich vor 17:30Uhr in Arlington Lakes an und es reichte doch noch für ein erfrischendes Bad im kleinen Bergsee.
Da es Samstag ist, war der campground ziemlich gut besetzt, fand aber doch noch ein Spot für mein Zelt.
Ob ich dann mit dem weitverbreiteten Kindergeschrei und Hundegebell gut schlafen werde, wird sich noch zeigen...!
Distanz: 115km
Anstiege: 133m
In der Nacht war es sehr still, obwohl die anderen Nachbarn, nicht die mit den Kinder, noch bis später Stunde in angeregten Geplauder verwickelt waren.
Jedoch früh im Morgegrauen fing das eine Kind wieder mit seinem Gejammer an!
Nichtsdestotrotz blieb ich noch bis nach 7Uhr liegen, bis mich der Darm zum aufstehen zwang.
Zum Frühstück machte ich mir noch das, was ich hatte: Pesto Pasta, eine Thunfisch Portion, noch ein wenig frittierte Zwiebeln und noch reichlich "Miracle Whip".
Alles zusammen in einem Kochtopf vermischt, war gar nicht so schlecht...!
Dann machte ich mich bei bedeckten Himmel auf die letzten 25km zum Tageskulminationspunkt auf.
Es sah nach Regen aus, obwohl der Wetterbericht keinen prognostiziert hatte! So kam es dann auch, dass um die Mittagszeit ich doch noch mir die Regenjacke überstreifen musste.
Mit dem Essen habe ich dann doch gepockert: ich dachte, dass ich die Strecke gut ohne weiteres Essen überstehen werde, da es ja nach Penticton nur noch bergab ging. Mit was ich jedoch nicht gerechnet hatte, war die lausige Beschaffenheit des Weges: viele Löcher, viele Steine, aber vorallem viel Sand, der mich ständig abbremste!
Der obere Teil der Strecke war wegen dem felsigen und steilen Terrain mit vielen Brücken versehen, was der Strecke eine besondere Attraktivität verlieh.
So war es nicht verwunderlich, dass sich Unmengen an Ausflügler mit dem eigenen oder gemieteten Fahrrad oder zu Fuss auf diesen Teil des Bahntrassees rauf und runter spazierten. So nutzten auch viele Einheimische den Sonntag, um diesen speziellen Spaziergang zu unternehmen.
Nach ein paar Kilometer wurde es dann wieder ruhiger, wobei sich jedoch die Qualität der Oberfläche drastisch verschlechterte, wie ich oben bereits erwähnt hatte.
Es waren noch über 60km zurückzulegen, was mich schier zur Verzweiflung brachte beim Gedanken, die ganze Strecke auf dieser schlechten Unterlage herunterzustrampeln, denn ich konnte kaum schneller als 20km/h fahren und dies noch mit viel Kraftaufwand und 100% fokussiert sein, dass ich nicht in ein Loch fahre oder einen spitzen Stein überfahre!
Weiter unten wurde dann der Weg nach und nach besser, sodass das Tempo dann doch auf ein befriedigendes Niveau anstieg.
Schliesslich führte der Weg knapp vor Penticton entlang von Rebberge mit schönen Villen, was mich an die Goldküste am Zürichsee oder den Genfersee erinnerte.
Das Okanagan Tal hat ein trockenes Klima und im Sommer kann es leicht über 40°C heiss werden. So hat man eher das Gefühl in Kalifornien zu sein anstatt in Kanada bei 50° nördliche Breite! Heute war jedoch die Temperatur sehr angenehm, obwohl dann endlich vor Penticton die Sonne heraus kam.
In Penticton ankommend suchte ich verzweifelt einen Ort, wo ich meinen in der Zwischenzeit gross gewordenen Hunger stillen konnte. Ein Brauhaus war dann gut genug, um einen Hamburger herunter zu würgen.
Danach fuhr ich zum reservierten Hotel und gönnte mir zuerst einmal eine Entspannungsminute, denn ich war extrem müde!
Danach ging ich im Denny's etwas deftiges essen und schon war es wieder Zeit sich schlafen zu legen...!
Distanz: 114km
Anstiege: 831m
Ich habe mich kurzfristig entschieden, den Rest des KVRT nicht mehr zu fahren und auf die Strasse zu wechseln. Gründe:
1. Ist ein grosser Teil der Route zwischen Hope und Princeton wegen Flutschäden unpassierbar und
2. hat mich die Qualität der Unterlage bei der Abfahrt nach Penticton so sehr geschafft (vorallem die sandigen Passagen!), dass ich das nicht wieder durchmachen will...
Ich machte mich dementsprechend gefasst auf viel Verkehr. Und dem war auch so, denn die Strasse ist eine der Hauptverbindungen vom Osten des Landes nach Vancouver.
Aber zuerst liess ich mir das Frühstück bei Denny's nicht verderben und ging anschliessend meine Wäschewaschen.
Zum Schluss machte ich noch einen Umweg zum Supermarkt, um meine Getränke- und Essensvorräte wieder aufzufüllen.
Schliesslich fuhr ich dann um 11Uhr auf die autobahnartige, vielbefahrene Strasse los, hatte jedoch einen genügend breiten Pannenstreifen, sodass ich mich halbwegs sicher fühlte.
Mittlerweile heizte die Sonne mächtig ein, sodass es zu einem warmen, fast heissen Tag wurde.
Nach ca. 13km folgte ich der Abzweigung nach Keremeos und Vancouver und es folgte einen ca. 9km langen Aufstieg mit ca. 330 Höhenmeter. Da kam ich schön ins schwitzen, aber bewältigte diesen Bergübergang ohne nennenswerte Probleme.
Nach 47km erreichte ich Keremeos, welches bekannt für den Früchteanbau ist: von Fruchtstände und farmeigenen Läden wimmelte es nur so!
Von Keremeos aus verlief die Strasse dem Similkameen Fluss aufwärts, jedoch war die Steigung kaum zu merken.
Für Prineton konnte ich kein Hotel reservieren und die campgrounds schienen auch gut besucht zu sein. So machte ich mich darauf gefasst, irgendwo wild zu campieren.
Bei der Einfahrt ins Dorf machte ich Halt beim erstbesten Motel und fragte doch nach, ob es etwas für die Nacht zur Verfügung gibt. Und prompt konnte ich das letzte Zimmer ergattern!
Am späteren Abend fuhr ich noch ins Zentrum, um mir noch etwas fürs Abendessen zu gönnen.
Distanz: 136km
Anstiege: 1500m
Nachdem ich mein Frühstück eingenommen hatte, diesmal 3 grosse Scheiben french-Toast und 2 Spiegeleier, ging es gleich zur Sache: relativ steil bergauf ohne Aufwärmphase!
Weiter oben kam es aber noch doller: ein paar Kilometer bei 6-8% Steigung! Die Beine waren jedoch noch frisch, so stellte diese Herausforderung kein Problem dar.
Noch weiter oben auf dieser 70km langen Bergfahrt bis zum Manning Park visitor center holte ich Simón aus Chile ein, der gerade auf seinem vollgepackten, bis zu 73kg (!) schweren Fahrrad erst seinen zweiten Tag im Sattel auf seiner geplanten Reise hinunter nach Chile absolvierte und dementsprechend leidend nur langsam vorwärts kam.
Leider musste ich ihn stehen lassen, da ich mein Rythmus einhalten wollte und ich schliesslich noch bis nach Hope fahren und er im Manning Park campieren wollte. Dies waren satte 70km mehr!
Ich nahm jede Gelegenheit war, ein kühles Getränk zu kaufen bei den doch mehreren Läden auf dieser vielbefahrenen und turistischen Strecke.
Am Nachmittag ging es dann hauptsächlich bergab, aber leider setzte, wie bei fast jeden sonnigen Tag, der Talwind ein, sodass ich mich doch noch anstrengen musste, um gegen den Gegenwind voran zu kommen.
20km vor Hope machte ich dann noch meinen letzten Zwischenhalt im Sunshine Valley RV resort, wo ich mir kühle Getränke und (nochmals) ein Eis genoss.
Schliesslich kam ich dann kurz nach 18:00Uhr im von Bergen umringten Hope an.
Hope liegt am Fraser Fluss, der bei Vancouver in den Pazifik fliesst. Ein kleiner, netter Ort, malerisch im Tal gelegen, umringt von hohen, bewaldeten Bergen. Der Unterschied zwischen Princeton war unverkennbar: dort trockene Wiesen und lichter Wald, in Hope grosse, dichtstehende Tannen und viel Grün!
Nach der obligaten Dusche ging ich mir in einem empfohlenen Restaurant den Bauch vollschlagen.
Distanz: 130km
Anstiege: 426m
Heute bin ich erst um 10Uhr bei schönsten Wetter und angenehmen Temperaturen losgefahren.
Schon zu Beginn merkte ich, dass meine Beine ein bisschen mehr Erholung von der gestrigen Etappe brauchten, machte mir jedoch keine grossen Gedanken, denn es war eine Flachetappe zu erwarten.
Mit was ich jedoch nicht gerechnet hatte, war der Wind! Und der bliess aus Südwesten: genau dorthin führte meine Route!
Er bliess nicht stark, aber mit meinen schwachen und zur Übersäuerung neigenden Beinen fühlte es sich wie ein Sturm an.
Kaum war ich von Hope losgefahren, merkte ich, dass der Himmel von Rauchschwaden durchzogen war. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass wiedereinmal ein Waldbrand in einem Seitental loderte! Schade! Nicht nur wegen den Wälder sondern auch wegen der Reinheit der Luft! Denn es wurde immer dunstiger...
Ich fuhr jedoch unbeirrt auf den zum Teil kilometerlangen schnurgeraden Strasse mit relativ leichten Verkehrsaufkommen, vorbei an endlosen Brombeerstauden mit bereits reifen Früchten.
Ich musste anhalten und sie probieren und war überrascht, wie süss und aromatisch sie waren.
Ich fuhr entlang des Fraser-Tales, welches mehrheitlich landwirtschaftlich genutzt wird und auch dichter besiedelt ist. So hatte ich nach relativ kurzen Intervallen immerwieder die Gelegenheit ein kühles Getränk zu kaufen.
Nach ca. 90km kam die Grenze.
Wie immer bei der Einreise in die USA wurde ich verhört: man hat den Eindruck, als ob die Einreiseoffiziere herausfinden wollen, ob ich die Wahrheit sage oder ihnen eine Lügengeschichte auftischen will... wenn sie es auch so genau bei ihrem Presidenten nehmen würden...!?
Trotzdem ging das Prozedere flott vonstatten und ich machte mich auf die restlichen, relativ flachen, 40km bis Bellingham, wo ich sogleich ein Hotel für einen vernünftigen Preis fand.
Nachdem ich in einem mexikanischen Laden noch ein paar Tacos zum Abendessen verschlang, plumste ich müde ins Bett.
Distanz: 139km
Anstiege: 719m
Heute bin ich mit gemischten Gefühlen aufgewacht, weil ich wusste, dass dies der letzte Tag meiner grossen Fahrradreise sein wird.
Ich hatte noch damit gerechnet, dass ich eventuell die Strecke bis nach Portland/Oregon verlängern könnte, um gute Freunde dort zu besuchen. Aber nach einem längeren Telephonat habe ich festgestellt, dass sie nicht dort sein werden. So habe ich die definitive Entscheidung getroffen, von Seattle auszufliegen.
Aber als Wermuthstropfen war diese letzte Etappe doch noch ein Genuss: das Wetter war trocken und die Temperatur angenehm, die Strecke verlief durch interessante und variantenreiche Landschaft und nicht zuletzt fühlte ich mich wieder voll im Besitze meiner Kräfte von Anfang bis Schluss, nachdem ich am Vortag körperlich ziemlich geschwächt war.
Obwohl ich wusste, dass es eine lange Strecke sein wird, bin ich trotzdem erst um 10Uhr losgefahren.
Zuerst musste ich quer durch das Städtchen Bellingham fahren, bevor mich der GPS entlang der Bellingham/Samish Bucht führte.
Es ging durch den Larrabee State Park mit seinen dichten Wälder an steilen Hängen. Da die Strasse Teil der Küstenstrasse von San Diego bis fast zur Grenze nach Kanada ist, kam ich noch auf den Gedanken, diese Strecke auch noch anzuhängen. Aber es war nur ein Gedankenspiel, welcher ich unter anderen zeitlichen Umständen ernsthaft in Erwägung gezogen hätte!
Auf alle Fälle war die relativ schmale Strasse entlang der Küste sehr kurvenreich, topographisch interessant und vorallem verkehrsarm (an einem Wochenende wäre die Verkehrssituation sicherlich ganz anders gewesen!).
Danach ging es durchs Flachland mit seiner vielseitigen Landwirtschaft: zurzeit war überall Heidelbeeren zum Kauf angeboten (...und entlang der Strasse tonnenweise Brombeeren, gratis!).
In Mt. Vernon machte ich in einem Thai-Restaurant mein Mittagshalt, bevor ich dann um 14:30Uhr die restlichen 80km in Angriff nahm.
Nach ca. halber Strecke ging es dann auf einen nur für Spaziergänger und Velofahrer extra asphaltierten Weg, der ein ehemaliges Bahntrassee gewesen zu sein schien.
Schliesslich erreichte ich mein Hotel in Everett knapp nach 18:30Uhr und ging nach dem Duschen nochmals anständig zum Futtern.
Es war eine anspruchsvolle Reise, vorallem die GDMBR und dort vorallem New Mexico mit seiner Trockenheit, Waschbrett-Schotterstrassen, Hitze und meiner anfänglichen Untrainiertheit!
Würde ich die Reise wiederholen? Glaube ja, wenn ich in der körperlichen Verfassung wäre wie jetzt am Ende der Reise!
Es gab einige "Tiefs" aber vielmehr "Hochs" und dass ich aus dieser sportlichen Reise körperlich gestärkt, vorallem die Beine (!), hervorging, weckt den Appetit für mehr!
Auch meine Ausrüstung hat die Strapazen und dauernde Schläge gut überstanden und bin von technischen Widrigkeiten, ausser einen platten Reifen, verschont geblieben. Also soweit doch alles richtig gemacht!
Alles in Allem eine tolle Reise, die jedoch eine härtere Herausforderung gewesen ist, als ich es mir gewünscht habe.